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 Bohrer

Konrad I.

männlich 881 - 918  (37 Jahre)


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  • Name , Konrad 
    Suffix I. 
    Geboren 881  [1
    Geschlecht männlich 
    Titel/Amt/Status 911-918  Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [2
    König des Deutschen Reiches 
    Gestorben 23 Dez 918  Fulda [36037],Fulda,Hessen,Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    • Kloster
    Personen-Kennung I870  Mittelalter
    Zuletzt bearbeitet am 1 Feb 2016 

    Familie von Schwaben, Kunigunde,   geb. um 882,   gest. nach 915  (Alter ~ 34 Jahre) 
    Verheiratet 913  [3
    Zuletzt bearbeitet am 14 Feb 2016 
    Familien-Kennung F355  Familienblatt  |  Familientafel

  • Ereignis-Karte
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    Link zu Google MapsGestorben - 23 Dez 918 - Fulda [36037],Fulda,Hessen,Deutschland Link zu Google Earth
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  • Notizen 
    • Siegel König Konrads I.

      KonradSiegel

      [4]
    • KONRAD I.

      Deutscher König (911-918)
      um 881-23.12.918 Begraben: Kloster Fulda
      Ältester Sohn des Grafen Konrad der Älteren von Fritzlar aus dem Hause der KONRADINER und der Glismut, Tochter von Kaiser ARNULF VON KÄRNTEN

      Lexikon des Mittelalters: Band V Seite 1337

      KONRAD I., ostfränkischer König 911-918
      + 23. Dezember 918 Begraben: Kloster Fulda
      Aus dem Hause der KONRADINER.

      oo 913 Kunigunde, Schwester Erchangers und Bertholds

      Brüder:
      Otto
      Eberhard
      Burchard

      Als Sohn Konrads des Älteren und, nach dem Tod seines Oheims Gebhard, Haupt der KONRADINER-Familie, die, von ihrem Eigengut im Lahngebiet aus, im späten 9. Jh. eine führende Stellung in Hessen und am Mittelrhein und, nach der Zurückdrängung der BABENBERGER in langen Kämpfen (897-906), auch in Mainfranken aufrichten konnte und deren Einfluß bis nach Thüringen, Lothringen und an den Niederrhein reichte, gehörte Konrad der Jüngere, Laienabt von Kaiserswerth, Graf im Wormsfeld, im Hessen- und Keldachgau, der mächtigsten Familie in Franken an, die unter Ludwig dem Kind maßgeblich und nach 909 unter den weltlichen Ratgebern sogar ausschließlich die Reichsgeschäfte mitbestimmt hatte. Die Wahl des Franken zum ostfränkischen König zwischen 7. und 10. November 911 in Forchheim nach dem Aussterben der ostfränkischen KAROLINGER war daher die gegebene Lösung, mit dem Verzicht auf eine Einladung des westfränkischen Königs, Karls des Einfältigen, aber zugleich ein wichtiger Schrritt bei der Verselbständigung des ostfränkischen Reichs. Gestützt auf seine Berater, vor allem die Erzbischöfe von Mainz und den Kanzler Bischof Salomon III. von Konstanz, verfolgte KONRAD I. anfangs eine - gemessen an seinem Vorgänger - aktive, alle Reichsteile einbeziehende und - in gewandelter Situation - entschlossen an der karolingischen Tradition festhaltende Politik, konnte in drei Kriegszügen (912/13) aber nicht verhindern, dass Lothringen zum Westreich abfiel. Nachdem dann Ungarneinfällle nur von den territorialen Gewalten abgewehrt werden konnten und Aufstände in Alamannien (Erchanger und Berthold), Bayern (Arnulf) und Sachsen (Heinrich) ihm diese Reichsteile zunehmend verschlossen, sah sich KONRAD nach 913/14 in seinem politischen Wirken ganz auf seine fränkischen Stammlande beschränkt, wo er vor allem sein Eigenstift Weilburg ausstattete, gab seine Herrschaftsansprüche auf das Gesamtreich aber nie auf, konzentrierte sich, wohl nach einem Abkommen mit dem Sachsen Heinrich, auf den Süden und konnte hier, unterstützt von der Kirche (Synode von Hohenaltheim) 916) auch kurzfristige Erfolge erringen. Mit dem frühzeitigen Tod KONRADS I. ist diese Politik gescheitert, mit dem Übergang der Königsherrscschaft auf die Sachsen-Herzöge - nach (apologet.) sächsischer Überlieferung auf Designation KONRADS I. hin - war die Möglichkeit der Ausbildung einer konradinischen Königsdynastie vertan. Dennoch ist das Verdikt der früheren, nationalorientierten Forschung, die KONRAD I. den Verlust Lothringens anlastete und ihm vorwarf, die Zeichen der Zeit in den neuen, bekämpften Herzogsgewalten nicht erkannt zu haben, wie schon zeitgenössische Urteile zeigen, kaum berechtigt.

      Literatur:
      F. Stein, Gesch. des Kg.s K. I. v. Franken und seines Hauses, 1872 - M. Heidmann, Kg. K. I. [Diss. masch. Jena 1922] - I. Dietrich, Das Haus der Konradiner [Diss. masch. Marburg 1952] - W. H. Struck, Die Stiftsgründungen der Konradiner im Gebiet der mittleren Lahn, RhVjbll 36, 1972, 28-52 - H.-W. Goetz, Dux und Ducatus, 1977 - Ders., Der letzte Karolinger?, die Regierung K.s I. im Spiegel seiner Urkk., ADipl 26, 1980, 56-125 - D. C. Jackmann, The Konradiner, A Study in Genealogical Methodology, Ius commune 47, 1990.

      Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 440

      KONRAD I., König + 23.12.918
      Vater:
      Konrad der Ältere (+ 906)
      oo 913 Kunigunde, schwäbische Grafentochter

      Aus dem ostfränkischen Geschlecht der KONRADINER, seit 906 Herzog in Franken.
      911, nach Erlöschen der KAROLINGER in Deutschland, in Forchheim zum deutschen König gewählt, jedoch in Lothringen nicht anerkannt.
      912/13 drei erfolglose Feldzüge gegen Lothringen.
      Vergeblicher Kampf, auf die Bischöfe gestützt, gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Stammesherzöge.
      Desgnation seines Nachfolgers und Gegners Heinrich von Sachsen zum deutschen König.

      Literatur:
      ADB 16; BWB 2; Lex. d. dt. Gesch.; Spindler III.

      Althoff Gerd: Seite 373, "Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

      K 50
      Me: 23.12. Kuonradus rex + 918 König KONRAD I.

      (Es.) KONRAD findet sich in der Abschrift eines ottonischen Familiennecrologs im Verbrüderungsbuch von St. Gallen; vgl. Althoff, Unerkannte Zeugnissae vom Totengedenken der Liudolfinger, S. 378f.
      Zum Ausgleich zwischen KONRADINERN und LIUDOLFINGERN siehe oben S. 203.
      Allg. s. Biogr. Wörterbuch 2, Sp. 1592f.; FW K 39.
      Zum Todesdatum: BM Nr. 2108b.
      KONRAD zog im Jahre 906 gegen die MATFRIEDE in Lothringen, konnte nach des Vaters Tode die alte Stellung in Hessen in unveränderter Weise wahren, ja insofern sogar noch stärken, als 908 der LIUDOLFINGER Otto eine erste Konsequenz aus der Ausschaltung seiner Parteigänger in den Mainlanden, der BABENBERGER, zog und auf eigenen Wunsch die Abtei Hersfeld aufgab. Wir finden KONRAD 908 als Graf im Hessengau und 910 als Graf im niederrheinischen Keldachgau erwähnt. Außerdem war er unter Ludwig dem Kind Laienabt von Kaiserswerth. Ferner ist es nicht ausgeschlossen, dass er nach dem Tode Burchards (+ 3.8.908) mit dessen Stellung in Thüringen beauftragt wurde. KONRAD stand vermutlich erst nach dem Tode seines Onkels Gebhard (910) allein an der Spitze seines Geschlechtes. Als Führer des konradinischen Geschlechts überragte KONRAD zweifellos die anderen fränkischen Grafen an Macht und Ansehen und man kann zumindest vermuten, dass er also in Franken eine herzogliche Stellung einnahm. Nach seiner Königserhebung hat KONRAD die hessische Position des Hauses offenbar seinem Bruder Eberhard überlassen, der 913 erstmals als Graf im südwestlichen Teil des Hessengaues, des sich im wesentlichen auf den Breidenbacher Grund beschränkenden Perfgaus erscheint. Im Jahre 912 zog er zweimal nach Lothringen, das Karl dem Einfältigen gehuldigt hatte, konnte sich hier jedoch nicht durchsetzen. Nach dem Tode des Sachsenherzogs Otto (+ 30.11.912) versuchte er dessen Nachfolger Heinrich zu schwächen, indem er ihm einen Teil der väterlichen Lehen vorenthielt, vor allem die von seinem Vater erworbenen thüringischen Besitzungen. Im Frühjahr 913 scheiterte der König mit dem letzten vergeblichen Versuch, Lothringen zurückzugewinnen, während Herzog Arnulf im Bunde mit den Brüdern Erchanger und Berchthold und dem Grafen Udalrich (V.) vom Argengau die Ungarn am Inn schlagen konnte. 915 erlitt sein Bruder Eberhard, der den markgräflichen Titel führte, erstmals vor der Eresburg an der Diemel eine blutige Niederlage, als er in KONRADS Auftrag mit Waffengewalt gegen die sächsischen Usurpationen einschritt, die das Gebiet um die Eresburg in Heinrichs Hand gegeben hatten. Da HEINRICH das fränkische Heer in die Flucht geschlagen hatte und in das Frankenland eingefallen war, mußte KONRAD die Belagerung des Hohentwiel aufgeben und zurückkehren. Auch diese Ereignisse sind noch einmal mit einem sächsischen Angriff auf Thüringen gepaart, wo Heinrich sich bereits 912 der Mainzer Besitzungen bemächtigt hatte, die den KONRADINERN befreundeten Grafen Burchard und Bardo verdrängen konnte und sich selbst dux Thuringorum nannte. Die Antwort KONRADS war ein Zug mit der gesamten Macht des fränkischen Stammes gegen Heinrich, der seinen Angriff in der Festung Grona (bei Göttingen) unweit der sächsisch-hessischen Grenze erwartete. Es kam nicht zum Kampf und KONRAD zog ab, ohne dass er damit die im Weserland erfolgten Veränderungen hätte rückgängig macheen können. Allein der im Anschluß an die Belagerung unternommene Heerzug König KONRADS I. nach Bayern, ohne dass Heinrich seine Pläne im Bezug auf den Raum der Weserfestung und des nördlichen Hessen weiter spannte als bisher, läßt kaum an der von Widukind überlieferten Nachricht zweifeln, dass 915 Unterhandlungen zwischen beiden Parteien gepflogen wurden, die offenbar eine Abgrenzung der beiderseitigen Interessenbereiche zum Gegenstand hatten.
      Da die KONRADINER-Herrschaft zwischen der oberen Lahn und der Diemel, zwischen Rothaargebirge und Saale, soweit sie überhaupt faßlich ist, neben der gräflichen Banngewalt ganz ausschließlich auf die Amtsausstattung und damit auf Reichs- und Reicichskirchengut gegründet war, blieb ihr Bestand von der ungeminderten Verfügung über diesen Besitz abhängig. Die sichere Gewähr dafür aber bot das mit seinen Schwerpunkten in Aachen, Frankfurt und Regensburg ruhende Königtum der frühen und späten KAROLINGER, für die der hessische Raum völlig am Rande und daher außerhalb der unmittelbaren Beanspruchung durch die Hofhaltung lag. KONRAD gründete das Stift Weilburg.
      Im November 911 wurde KONRAD in Forchheim unter maßgeblicher Beteiligung des ostfränkischen Episkopats unter Umgehung des einzigen legitimen KAROLINGERS Karls des Einfältigen von Franken und Sachsen, denen sich dann die Schwaben und Bayern anschhlossen, zum König gewählt. Der Bruch mit dem karolingischen Erbrecht bedeutete einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Wege zum frühfeudalen Staat. Unter Führung der mit den KONRADINERN verfeindeten REGINARE, die nach dem Tode Zwentibolds (90000) eine führende Stellung in Lothringen behaupteten, schloß sich Lothringen dem westfränkischen Reich an. 914 eröffnete KONRAD I. den Reichskrieg gegen Schwaben, wo Bischof Salomo III. von Konstanz, der Kanzler des Königs, durch den schwäbischehen Pfalzgrafen Erchanger gefangengehalten wurde. Eberhard, der Bruder KONRADS I., griff 915 Sachsen an, wurde aber bei der Eresburg von Herzog Heinrich vernichtend geschlagen, der nun in Franken eindrang. KONRAD konnte die Herzogsmacht Heinrichhs nicht gefährden. 916 bekämpfte KONRAD I. Herzog Arnulf von Bayern, der sich 914 gegen ihn erhoben hatte; Regensburg wurde erobert und der Herzog ins Exil nach Ungarn getrieben. Dieser Erfolg war möglich, weil hier wie in Schwaben der Episkopat auf der Seite des Königs stand. Die Synode von Hohenaltheim bei Nördlingen, auf der bezeichnenderweise die sächsischen Bischöfe fehlten, festigte das Bündnis zwischen KONRAD I. und der Kirche und legte den gegen König opponierenden Herzog Erchchanger und seinen Bruder Berchthold eine Buße auf; Arnulf wurde auf eine Synode nach Regensburg vorgeladen. Im Januar 917 ließ KONRAD I. Herzog Erchanger und seinen Bruder Berchthold hinrichten. Die königliche Macht wurde dadurch nicht gestärkt, denn Burchard der Jüngere ließ sich nun zum Herzog ausrufen. In Bayern errang Arnulf wieder die Macht. Bei diesen Kämpfen in Bayern wurde KONRAD 917 so schwer verwundet, dass er sich von den Verletzungen nicht mehr erholte. Es gelang KONRAD nicht, eine Grundlage für eine starke Königsgewalt zu schaffen. Unter Umgehung seines Bruders Eberhard designierte er den mächtigsten seiner Widersacher, Herzog Heinrich von Sachsen, in richtiger Einschätzung der tatsächlichen Kräfteverhältnisse zum Nachfolger. Er gründete das Kloster Weilburg und begründete im "Weilburger Testament" das königliche Designationsrecht. Er wurde im Dom zu Fulda beigesetzt.

      Diwald Hellmut: Seite 118, "Heinrich der Erste"

      Am 10. November 911 wird Herzog Konrad in Forchheim, dem alten Königshof und Stapelplatz an einer Hauptstraße von Norden nach Süden in der Nähe von Bamberg, von den Fürsten der Franken und Sachsen zum König gewählt; die Schwaben und Bayern schliießen sich diesem Votum in Nachwahlen an. KONRAD entstammt einem rheinfränkischen Adelsgeschlecht, seine Familie verfügt über große Besitzungen in Hessen, Mainfranken und am Mittelrhein. Er selbst hat, so wie bereits sein Vater Konrad der Ältere, die Stammgrafschaft an der mittleren Lahn inne; die Stammfeste Willibebruch des konradinischen Hauses, das heutige Weilburg, liegt hoch über dem Fluß. Dort wird KONRAD vermutlich auch geboren. Kein Chronist verzeichnet das Geburtsdatum, es dürrfte zwischen 880 und 890 liegen. Nach Konrad dem Älteren erhält das ganze Geschlecht später den Namen "KONRADINER". Der Familienverband hat lange Zeit mit der Konkurrenz der Babenberger am Obermain zu kämpfen. Erst 906 wird der Zwist durch einen Sieg über die BABENBERGER entschieden. Bei Fritzlar kommt es zu einer Schlacht mit Adalbert von Babenberg. Konrad der Ältere verliert in ihr das Leben, und die Führung des Hauses geht in die Hände des Sohnes über. Mit ihrem Sieg über die BABENBERGER, der die Ächtung und Hinrichtung Adalberts von Babenberg folgt, erringen die KONRADINER endgültig die Herzogsgewalt in Franken. Nach dem Tode Ludwigs des Kindes entschloß sich der Adel des Ostfrankenreiches entgegen allen Erwartungen nicht dazu, den westfränkischen König Karl III. den Einfältigen als Nachfolger zu wählen, wie es aufgrund der erbrechtlichen Situation nahegelegen hätte und zwingend gewesen wäre. Die Wahl fiel also auf den Franken-Herzog Konrad. Maßgeblich wirkte sich allerdings die Parteinahme des hohen Klerus für KONRAD aus. Der Franken-Herzog war am Hof der KAROLINGER aufgewachsen, die Geistlichkeit der ostfränkischen Gebiete war überzeugt, mit KONRAD einen Fürsten als König zu erhalten, der im Unterscchied zu den anderen deutschen Stammesherzögen nicht geneigt und bestrebt war, die eigene Autonomie zu Lasten eines von der bischöflichen Gewalt bestimmten Reichsverbandes zu festigen und auszubauen. Dieser Gesichtspunkt stand für den Klerus über allen anderen Erwägungen, denn mit KONRAD - so wurde gerechnet - schien sich die Machtstellung, die von der Kirche in den letzten beiden Jahrzehnten ausgebaut worden war, besser als mit jedem anderen Herrscher sichern zu lassen.
      KONRAD war mit der schwäbischen Gräfin Kunigunde verheiratet, der Tochter Burchards von Rätien und Witwe des Markgrafen Liutpold in Bayern. Aus Kunigundes erster Ehe entstammte Arnulf, der in jungen Jahren das bayerische Stammesherzogtum übernommmen hatte, nachdem sein Vater 907 im Kampf gegen die Ungarn gefallen war. Die Unterstützung durch die Bischöfe bei der Wahl konnte Herzog Konrad zwar zur Königskrone, nicht aber zu bemerkenswerten politischen Erfolgen verhelfen. KONRAD bestellte Hatto, Erzbischof von Mainz, zu seinem Erzkaplan, Bischof Salomo von Konstanz hatte während der Regierungszeit des Königs das Amt des Kanzlers inne. Damit schien der Fortbestand des alten Bündnisses zwischen Kirche und König gesichert zu sein.

      Kurowski Franz: Seite 204-208, "Schwertgenossen Sahsnotas"

      Als König Ludwig das Kind, der letzte ostfränkische KAROLINGER, am 24. September 911 starb, war er erst 18 Jahre alt und noch unverheiratet und ohne Kinder. Es war zu befürchten, dass sich nunmehr das Frankenreich nach den 4 Hauptstämmen auch in vier Teilstaaten auflösen würde.
      Die Franken und die Sachsen folgten dem Vorschlag Ottos des Erlauchten von Sachsen, KONRAD I., den Sohn Konrads des Älteren, zum neuen König zu wählen. Diese Wahl fand am 10. November 911 in Forchheim an der Regnitz statt. Damit trugen die Herzözöge der Notwendigkeit der Erhaltung des Reiches Rechnung. Schwaben und Baiern, die beiden übrigen der vier Hauptstämme, hielten sich zunächst noch zurück, schlossen sich aber schließlich durch Nachwahlen dieser Entscheidung an, nicht zuletzt von den geistlichen Herren ihrer Herzogtümer dazu bewogen, weil für sie ein Auseinanderfallen des Reiches einer Katastrophe gleichgekommen wäre.
      Durch ihr entschlossenes und gemeinsames Handeln hatten Franken und Sachsen mit dem nunmehr entstandenen Ostfränkischen Reich unter den KONRADINERN, den Vorgängern des Reiches der Deutschen, dem deutschen Gedanken Rechnung getragen. Widukind voon Corvey bekundet in seiner Sachsengeschichte, dass Franken und Sachsen gleicherweise entschlossen gewesen seien, 911 die Würde des Königtums Otto dem Erlauchten zu übertragen, dass dieser jedoch wegen seines hohen Alters abgelehnt habe, dass er aber dennoch hinter den Kulissen als wirklicher König ohne Krone gewirkt habe.
      Sehr bald erkannte KONRAD I., dass die Herzöge in der Vergangenheit immer stärker geworden waren und dass ihre Macht in ihren eigenen Herzogtümern groß war. Jeder dieser 4 großen Stämme handelte zunächst für sich. Der Gedanke einer freiwilligen Unterordnung unter die Reichseinheit wurde von ihnen noch nicht begriffen. Dies traf vor allem auf die beiden nördlichen Herzogtümer Franken und Sachsen in ihrem Verhältnis zu den südlichen Schwaben und Baiern zu.
      Zunächst versuchte KONRAD I. die "lothringische Frage" zu lösen und damit auch das Westfränkische Reich unter seine Herrschaft zu bringen. Die drei zu diesem Zweck zwischen 912 und 913 geführten Feldzüge blieben jedoch erfolglos. In den Bestrebungen, die Herzöge kurzzuhalten, wurde KONRAD I. von den Bischöfen der fränkischen, schwäbischen und baierischen Kirche unterstützt. In Sachsen hingegen schlugen sich die Bischöfe auf die Seite des Herzogs. Als Herzog Otto der Erlauchte von Sachsen am 30. November 912 starb, trat sein einziger ihn überlebender Sohn Heinrich an seine Stelle als neuer Herzog von Sachsen.
      KONRAD versuchte nun, diesen starken Widersacher aus dem Sattel zu heben. Da die Nachfolge des Sachsen-Herzogs bereits erblich war, konnte Heinrich I. diese Würde, die er nach dem Tode seines Vaters angetreten hatte, nicht entzogen werden. Deshalb galt KONRADS Bemühen zunächst der Ablösung Thüringens aus dem Herzogtum Sachsen. Thüringen, das seit 4 Jahren mit Sachsen verbunden war, sollte wieder dem Reich eingegliedert werden.
      Nachdem KONRAD I. diesen Schritt getan und Thüringen aus dem Herzogtum Sachsen gelöst hatte, kam es 913 zum Eklat. Der erste Gegenzug Herzog Heinrichs bestand in einem Feldzug gegen Hatto, den Erzbischof von Mainz, der in Thüringen große Güter besaß. Diese nahm nun Herzog Heinrichs an sich, wobei er mehrfach zu den Waffen griff, wenn die dort sitzenden Verwalter des Erzbischofs nicht gehorchten. Erzbischof Hatto verwand diesen Schlag nicht und starb am 15. Mai 913.
      Die Sage, dass sich KONRAD I. dieses Erzbischofs bedient habe, um den Sachsen-Herzog Heinrich zu beseitigen, indem Hatto ihn mit einer goldenen Kette erdrosselt, die er ihm als Geschenk umlegen wollte, entbehrt jeder Grundlage. Im Kampf gegen Scchwaben blieb KONRAD zunächst politisch siegreich. Als er jedoch 915 eine Doppelaktion gegen die Schwaben und Sachsen gleichzeitig unternahm, erlitt er abermals Schiffbruch. KONRAD I. entsandte seinen Bruder Eberhard nach Sachsen und ernannte ihhn zum Markgrafen der Sorbischen Mark. Von dort aus sollte er Heinrichs Stellung in Thüringen untergraben und die Macht an sich reißen. Als Eberhard mit einem fränkischen Heer durch Sachsen zog, wurde er bei der Eresburg auf dem Obermarsberg, diie bereits einige sächsisch-fränkische Kämpfe gesehen hatte, durch sächsische Truppen gestoppt. Heinrichs Panzerreiter trugen den Sieg davon. Danach wandte sich Heinrichs Sachsentruppe dem Hohentwiel zu, wo Burchard II. von Schwaben, der nach der Verbannung Herzog Erchangers dort Herzog geworden war, in seiner Herzogsburg von KONRADS I. Truppen belagert wurde. Der König gab die Belagerung beim Herannahen der Sachsen auf. Heinrich I. zog sich nach diesem Sieg in die Pfalz Grone bei Göttingen zurück. KONRAD folgte ihm, doch nun nicht mehr in kriegerischer Absicht, sondern in einem Bemühen, ein Abkommen zu erzielen, das den Frieden sicherstellte.
      Da beiden Seiten gefährliche Widersacher in den Ungarn erstanden waren, die auf ihren Streifzügen nach Norden in Thüringen, Sachsen und Schwaben eingefallen waren, kam ein Vergleich rasch zustande. Der gestürzte schwäbische Herzog Erchanger, der ins Exil geschickt worden war, kehrte nach Schwaben zurück. Er bot gemeinsam mit seinem Nachfolger und nun wieder Vorgänger Burchard und seinem Bruder Berchtold ein Heer auf, das bei Wahlwies gegen die königlichen Truppen siegte. Erchanger wurde im Herbst 915 zum Herzog der Schwaben ausgerufen. 916 gelang es König KONRAD schließlich, die Baiern zu schlagen. Herzog Arnulf von Baiern wurde in Regensburg belagert, er konnte zu den Ungarn fliehen und mußte dem König das Feld überlassen.
      Die am 20. September 916 in Hohenaltheim tagende Synode der Kirche, auf der außer den Geistlichen von Schwaben, Baiern und Franken auch König KONRAD anwesend war, sah auch den päpstlichen Legaten am Ort der Synode. Alle Versammelten traten für die Sache KONRADS ein. Auch diesmal glänzte die sächsische Geistlichkeit durch Abwesenheit. Dies bedeutete, dass sie sich auf Heinrichs Seite gestellt hatte.
      Da sich Arnulf von Bayern ebenfalls nicht der Synode stellte, wurde er kurzerhand angesetzt. KONRAD ernannte seinen Bruder Eberhard zum Verwalter des Herzogtums Baiern. Auch die Schwaben hielten sich nicht an den Beschluß von Hohenaltheim; deshaalb zog KONRAD wider die Brüder Erchanger und Berchtold zu Felde. Er ließ seine beiden Schwäger (KONRAD hatte sich mit Kunigunde, der Schwester Erchangers und Berchtolds, die Witwe war, vermählt) und einen Neffen, nachdem er sich ihrer bemächtigt hatte, am 21. Januar 917 in Aldingen hinrichten.
      Doch auch dadurch konnte er Schwaben nicht einnehmen, denn der Bundesgenosse der beiden Brüder und zugleich Rivale in der Herzogswürde, Burchard II., sprang in die Bresche und schwang sich zum Herzog von Schwaben auf.
      Die Ungarn leisteten schließlich den Baiern ungewollte Schützenhilfe, als sie durch Baiern und Schwaben nach Lothringen einfielen. Arnulf nutzte die Chance, kehrte nach Bayern zurück, verjagte Eberhard, den Statthalter des Königs und königlichen Bruder, und enteignete die Kirche, indem er sie säkularisierte und für sich und seine Vasallen die Kirchengüter als Morgengabe in Besitz nahm.
      KONRAD I. hatte damit nach anfänglichen Erfolgen Niederlagen am laufenden Band erlitten. Kurz bevor er am 23. Dezember 918 starb und sein Grab im Kloster von Fulda eingerichtet wurde, wußte er, dass sein Nachfolger ein starker Mann sein mußte, wenn es ihm gelingen sollte, das Ostfränkische Reich wieder zusammenzubringen.
      Da KONRAD kinderlos war, setzte er seinen Bruder Eberhard als seinen Nachfolger im Herzogtum Franken ein. Als königlichen Nachfolger aber bestimmte er den Sachsen-Herzog Heinrich. Diese Art der Benennung eines Nachfolgers war zur genannten Zeit bis ins 13. Jahrhundert hinein ein Verfügungsrecht, das allen Fürsten zustand. Es konnte das Geblütsrecht hintansetzen. Damit stellte eigentlich erstmals in der deutschen Geschichte ein Herzog den Gedanken an die Vorherrschaft seines Stammes zurück und designierte den Nachfolger, den er als den stärksten unter den Starken erkannt hatte.
      Nach Widukind von Corvey soll der Bruder des sterbenden Königs dessen letzten Willen, die Reichsinsignien an Heinrich zu überbringen, sofort zugestimmt haben.

      913 oo 2. Kunigunde, Tochter des Pfalzgrafen Berchthold I. um 882-7.2.915 Kloster Lorsch
      (1. oo Liutpold Markgraf von Bayern -4.7.907)

      Literatur:
      Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 189,203,230,373 K 50 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 15,22-26,29-42,46,139,241- Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/ Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998 Seite 91,132 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 9,17,25,27-36,45,61 - Borgolte Michael: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1986 Seite 58,81,110,141,147,171, 234,268,286 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite 57,225/Band III Seite 321,486, 500 - Dümmler Ernst: Die Chronik des Abtes Regino von Prüm. Verlag der Dykschen Buchhandlung Leipzig Seite 117,119 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Band II Seite 537,539,547,551,565, 572-575,578-596,602-617 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 134,139,171 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 48-50,70 A - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 18,22,64,66,70,81,83-87,89, 201 - Hlawitschka Eduard: König Konrad I. (911-918), in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern, Hg. Karl Rudolf Schnith, Seite 101-110 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968 Seite 131,167,190,193,197,199-204, 212-214,218 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 1111. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 20,29,31,48,66,76 - Hlawitschka, Eduard: Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft 840-1046, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1986 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 19,38,40-42,47,59-68, 70,72,80,95,497 - Höfeer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 19-20 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 40-49 - Kimpen, Emil: Die Abstammung Konrads I. und Heinrichs I. von Karl dem Großen. In: Historische Vierteljahresschrift 29, 1935 Seite 722-767 - Pohl Walter: Die Welt der Babenberger. Schleier, Kreuz und Schwert, hg. von Brigitta Vacha, Verrlag Styria, Seite 44,48,50 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992 Seite 197, 200,203,225 - Schneidmüller Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 81,83,118,119 - Schulze Hans K. Schulze: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag,Seite 116-127,129-131,134,136,141-146,147,154,181,436 - Stein, Friedrich: Geschichte des Königs Konrad I. von Franken und seines Hauses, Nördlingen 1872 - Wies, Ernst W.: Otto der Große, Bechtle Esslingen 1989, Seite 31,37,39,43,74,94,104,115,127 -

      [1]
    • Neue Deutsche Biographie - Konrad I.

      König (seit 911), † 23.12.918, ⚰ Fulda.

      Die Regierungszeit K.s war in jeder Hinsicht eine Zeit des Übergangs. Auf dem Boden des auseinanderfallenden Frankenreichs waren die neuen Nationen der Franzosen und der Deutschen im Begriffe, geschichtliche Gestalt zu gewinnen, obwohl die fränknkische Tradition weiterwirkte und innerhalb der werdenden Nationen sich Einheiten geringeren Umfangs konsolidierten und immer mehr zu verselbständigen suchten. Herrschaftsbereiche führender Adelsgeschlechter machten sich im ostrheinischen Gebiet die unter der Oberfläche karlischer und karlingischer Reichseinheitspolitik fortlebenden stämmischen Traditionen zunutze. Partikulare kirchliche Kräfte gewannen überall Boden, während das Papsttum tief in die Händel italischer Politik verstrickt war, über die der tatkräftige Johannes X. freilich hinausblickte. Es ist K. nicht gelungen, sich im Strudel widerstreitender Kräfte durchzusetzen, aber eine klare politische Linie ist trotz der Dürftigkeit der Überlieferung erkennbar. Zumal bei seinem Tode zeichnete sie sich ab.

      Das Haus der Konradiner war nach dem Siege im mörderischen Kampf gegen die ostfränkischen Babenberger das mächtigste fränkische Geschlecht östlich des Rheins. Als der karolingische König Ludwig IV. (das „Kind“) 911 starb, wurde K., der zwar mit dem karlingischen Hause auf uns nicht durchsichtige Weise verwandt war, aber jedenfalls nicht im Sinne der Zeit dem königlichen Geschlecht angehörte, von den ostrheinischen Großen schon nach wenigen Wochen das Königtum angeboten, während die Lothringer, von Ludwig schon zu dessen Lebzeiten abgefallen, sich dem Westreich des einzigen überlebenden Karlingers anschlossen. Daß ein Angebot zunächst dem Sachsenherzog Otto galt, der die Wahl dann auf K. lenkte – so der ein halbes Jahrhunderert nach den Ereignissen schreibende Widukind von Corvey –, ist weder zu beweisen noch zu widerlegen. K. nahm an und wurde wie sein Vorgänger Ludwig zu Forchheim erhoben, von Franken, Sachsen, Alemannen und Bayern, wie die einzige zeitgenössischhe Quelle betont. Die Wahl des Ortes zeigt an, daß man zunächst in ostfränkish-karlingischer Tradition verharrte. Der Mangel der Zugehörigkeit zum bisherigen Herrscherhause wurde wie einst bei Pippin durch eine kirchliche Salbung ersetzt, die bis dahin im ostfränkischen Reich nicht üblich gewesen war. Die liturgische Ordnung des Vorgangs ist uns vielleicht im sogenannten Frühdeutschen Ordo erhalten.

      K. scheiterte bereits bei der ersten Aufgabe, die er sich stellte: Lothringen zurückzugewinnen. Nur das Elsaß, in das der Westfranke Karl der Einfältige vorzudringen suchte, konnte gehalten werden; drei Feldzüge nach Lothringen blieben ohne Ergegebnis. Währenddessen wurde das Reich von mehreren Einfällen der Ungarn heimgesucht. Die Kraft zur Abwehr reichte nicht aus, obwohl die regionalen Gewalten vorübergehende Erfolge errangen Gerade dies minderte das Ansehen des Königs. K. hatte balld ohne Einschränkung nur den eigenen Stamm hinter sich, vor allem dessen Geistlichkeit, an der Spitze die Erzbischöfe Hatto und Heriger von Mainz. Er suchte vergeblich, in Schwaben Fuß zu fassen, wo er gleich nach der Königserhebung erschien. EEr stützte sich dort vor allem auf seinen Kanzler Bischof Salomo von Konstanz, geriet aber dadurch in Gegensatz zu dessen Intimfeinden Erchanger und Bertold aus einem Geschlecht, das im Besitze der schwäbischen Pfalzgrafenwürde war und nach einem neuen schwäbischen Herzogtum strebte. Zwar schien 913 eine Ehe mit Kunigunde, der Schwester der beiden, die mit dem verstorbenen bayerischen Markgraf Luitpold vermählt gewesen war, eine Versöhnung anzubahnen, aber bereits 914 kam es zum offeneen Kampfe, als die Brüder Salomo gefangensetzten. Erchanger wurde besiegt und verbannt, doch erhob sich noch im gleichen Jahre Burchard aus dem Hause der Hunfridinger, das ebenfalls eine führende Rolle in Schwaben anstrebte, während K. Arnulf voon Bayern bekämpfte, der im Südosten des Reichs damals schon eine königsgleiche Stellung zu erlangen suchte. Arnulf floh zu den Landesfeinden, denselben Ungarn, die er im Jahre vorher zusammen mit Erchanger und Bertold besiegt hatte. K. belagerte alsbald den Hohentwiel, auf dem sich Burchard festgesetzt hatte, ohne Erfolg, denn alsbald mußte er gegen Heinrich von Sachsen ziehen, der K.s Bruder Eberhard eine schwere Niederlage beigebracht hatte, als dieser ein weiteres Ausgreifen des Sachsenherzogs nach Hessen und Thüringen im Auftrag des Königs offensiv zu verhindern suchte. Heinrich fiel nunmehr seinerseits in Franken ein. Bei Grone unweit Göttingen standen sich schließlich die Gegner gegenüber, doch wurde die Schlachtentscheidung vermieden. Es scheint vielmehr eine Art Stillhalteabkommen geschlossen worden zu sein, das Heinrich große Selbständigkeit gewährte. Inzwischen war Erchanger nach Schwaben zurückgekehrt, verbündete sich jetzt mit Burchard und schlug die Anhänger K.s bei Wahlwies; als Sieger wurde er zum Herzog von Schwaben ausgerufen. Auch Arnulf kehrte nach Bayern zurück, wurde jedoch 916 von K. abermals aus Regensburg vertrieben und mußte wieder bei den Ungarn Zuflucht suchen.

      Im gleichen Jahre nahm eine in Hohenaltheim im Ries tagende, von einem päpstlichen Legaten eröffnete Synode, an der die sächsischen Bischöfe jedoch nicht beteiligt waren, energisch Partei für K., dessen Widersacher sie mit lebenslänglicher Klosterhaft bedrohte. Erchanger scheint anwesend gewesen zu sein, während K.s Teilnahme nicht bezeugt ist, und es ist sogar unwahrscheinlich, daß er die Synode selbst einberufen hat. Der sächsische Bischof Adalward von Verden befand sich vor der Synonode in seiner Umgebung und hat möglicherweise im Auftrag Herzog Heinrichs mit K. über die Stellung Sachsens im Reich verhandelt. Hier ist es zu Widerstand nicht mehr gekommen, sondern K. konnte 918 sogar Unni als Erzbischof von Bremen gegen eine anderslautende Wahl von Klerus und Volk einsetzen, wenn die späte Überlieferung Recht hat. Daß es mit Heinrich bereits 916 zu Verhandlungen über die Nachfolge im Königtum gekommen sei, ist eine unbeweisbare Vermutung.

      In Schwaben konnte die Entstehung eines Stammesherzogtums nicht verhindert werden, obwohl es K. gelang, Erchanger, Bertold und ihren Neffen Luitfrid auf ungeklärte Weise in seine Hand zu bringen und als Hochverräter hinrichten zu lassen. An die Spitze des Stammes setzte sich jetzt Burchard. Auch Arnulf konnte 917 nach Bayern zurückkehren und K.s Bruder Eberhard vertreiben. Eine Synode in Regensburg, die in Hohenaltheim angekündigt worden war und auf der sich Arnulf verantworten sollte, war damit illusorisch geworden. Der Angriff K.s 918 wurde abgeschlagen; er soll während dieser Kämpfe eine schließlich zum Tode führende Verletzung empfangen haben.

      K.s Regierung, wegen der inneren Uneinigkeit nach außen hin machtlos, war eine Zeit fast ununterbrochener Kämpfe um den Zusammenhalt des ostfränkisch-deutschen Reiches, der nach seinem Tode auf eine Zerreißprobe gestellt wurde. Er hat dies vorauusgesehen und im Bewußtsein des herannahenden Todes seinen ehemaligen Gegner Heinrich von Sachsen zum Nachfolger empfohlen, ein Akt von hoher politischer Weitsicht und höchster Verantwortung. Es ging K. nicht um die Herrschaft seines Stammes oder gar seines Hauses, auch nicht allein um die Wahrung fränkisch-karlingischer Tradition in Verbindung mit der Kirche, auf die er sich gewiß zu stützen versuchte, ohne doch ein „Pfaffenkönig“ zu sein. Sein Blick war in die Zukunft gerichtet. Es ging ihm um den Fortbestand eines Reiches, für dessen Einheit er im Angesicht drohenden Zerfalls während seiner ganzen Regierungszeit trotz aller Niederlagen immer wieder zu den Waffen gegriffen hat, um ein Reich, aus karlingischer Hand übernommemen, das aus einem fränkischen zu einem fränkisch-sächsischen und damit zugleich zu einem deutschen, zu einem regnum Teutonicorum werden sollte, wie die Großen Salzburger Annalen zu 920|sagen. An der Schwelle der deutschen Geschichte behauptet K. einen festen und ehrenvollen Platz, auch wenn ihm der äußere Erfolg versagt blieb.

      Literatur
      ADB 16; F. Stein, Gesch. d. Kg. K. I. v. Franken u. s. Hauses, 1872; E. Dümmler, Gesch. d. Ostfränk. Reiches III, 21888; M. Heidmann, Kg. K. I., Diss. Jena 1922 (ungedruckt); I. Dietrich, Das Haus d. Konradiner, Diss. Marburg 1952 (ungedruckt); Die Entstehung d. Dt. Reiches, hrsg. v. H. Kämpf, 1956, darin vor allem M. Hellmann, Die Synode v. Hohenaltheim, hierzu H. Fuhrmann, in: Zs. f. bayer. Landesgesch. 20, 1957, S. 136-51. [5]


  • Quellen 
    1. [S3] Genealogie-Mittelalter.de, Karl-Heinz Schreiber, .

    2. [S3] Genealogie-Mittelalter.de, Karl-Heinz Schreiber, .

    3. [S3] Genealogie-Mittelalter.de, Karl-Heinz Schreiber, .

    4. [S7] Wikipedia, Konrad I. (Ostfrankenreich).

    5. [S21] Neue Deutsche Biographie Onlinefassung, Schlesinger, Walter, "Konrad I." in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 490-492 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd119308339.html.