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 Bohrer

Schoch, Hans

Schoch, Hans

männlich um 1550 - 1631  (~ 81 Jahre)

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  • Name Schoch, Hans 
    Geboren um 1550  Königsbach [75203],Enzkreis,Baden-Württemberg,Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    Geschlecht männlich 
    Beruf Baumeister 
    • Bauten in Straßburg, das Schloß Gottesaue im heutigen Karlsruhe, der Friedrichsbau im Heidelberger Schloß und in Speyer die bischöfliche Residenz. [1]
    Beruf 1579  Strasbourg [67000],Bas-Rhin,Elsass,Frankreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Werkmeister 
    • "Werkmeister auff dem Zimmerhoff" [2]
    Gestorben Dez 1631  [3
    • vor 30. Dezember 1631, wahrscheinlich noch im Dezember.
    Personen-Kennung I5071  global | BohrerH Ahnen, FreyHG Ahnen, SeitzA Ahnen
    Zuletzt bearbeitet am 22 Feb 2015 

    Kinder 
     1. Schoch, Elisabeth
    Zuletzt bearbeitet am 10 Sep 2014 
    Familien-Kennung F1385  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie 2 Knoll, Anna,   geb. Bietigheim [76467],Rastatt,Baden-Württemberg,Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Verheiratet 16 Nov 1572  Strasbourg [67000],Bas-Rhin,Elsass,Frankreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [4
    • protestantisch
    • "Dominica XXIIII. [post Trinitatis 1572]
      Hans Schoch von Kenspach der Zimmergesell Anna Knollen Bechle Knollen von Bietigheim dochter."
    Dokumente
    Schoch Hans Traueintrag 1572-11-16 (24. Sonntag nach Trinitatis) Strasbourg Saint-Thomas S53 Nr173
    Schoch Hans Traueintrag 1572-11-16 (24. Sonntag nach Trinitatis) Strasbourg Saint-Thomas S53 Nr173
    Zuletzt bearbeitet am 7 Sep 2014 
    Familien-Kennung F974  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie 3 Beck, Margaretha  [3
    Zuletzt bearbeitet am 3 Sep 2014 
    Familien-Kennung F1011  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie 4 Catharina 
    Verheiratet vor 1579  [2
    Kinder 
     1. Schoch, Maria,   get. 5 Feb 1579, Strasbourg [67000],Bas-Rhin,Elsass,Frankreich Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   begr. 14 Feb 1613, Schaafheim [64850],Darmstadt-Dieburg,Hessen,Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter ~ 34 Jahre)
    Zuletzt bearbeitet am 7 Sep 2014 
    Familien-Kennung F1247  Familienblatt  |  Familientafel

  • Ereignis-Karte
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  • Fotos
    Karlsruhe Schloss Gottesaue
    Karlsruhe Schloss Gottesaue
    Schloss Gottesaue ist ein mehrfach zerstörtes und wiederaufgebautes Renaissance-Schloss in der Karlsruher Oststadt auf dem Areal einer ehemaligen Benediktinerabtei. Es ist heute Sitz der Hochschule für Musik Karlsruhe.
    Karlsruhe Schloss Gottesaue Wikipedia
    Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses
    Friedrichsbau des Heidelberger Schlosses
    Kurfürst Friedrich IV. ließ den Friedrichsbau von 1601 bis 1607 errichten, nachdem das zuvor an dieser Stelle befindliche Wohngebäude mit der Schlosskapelle einzustürzen drohte. Johannes Schoch war der Architekt des Bauwerks. In die Hoffassade des Friedrichsbaus sind Statuen der Ahnen der Kurfürsten eingearbeitet. Bildhauer dieser Ahnengalerie des Bauherrn war Sebastian Götz aus Chur. Auf der Hofseite sind die Ahnen Friedrichs dargestellt.
    Schloss Heidelberg Wikipedia

  • Notizen 
    • 1572 erhielt er das Bürgerrecht in Straßburg, trat als Zimmergeselle in die Zimmerleutzunft ein Archives municipales, Straßburg Bürgerbuch III, 1572, S. 208: "Hans Schoch von Kunspach der Zymmermann hatt das Burgkrecht kaufft und dient zum Zymmerleuth den 30 septembris 1572." [1]
    • 1573 wird im Straßburger Protokollbuch der XXI vermerkt, daß Hans Schoch "ein junger, stattlicher zimmermansgesell ... bei seinem Schwager Ludwig Unfriden seligen und auch an andern orten bey erfahrnen meistern gearbeitet hat". Da Ludwig Unfriden in dem Text als eine bekannte Person vorausgesetzt wird, muß er in Straßburg, wahrscheinlich als Zimmermeister gelebt haben, was besagt, daß Schoch in der Stadt Familienangehörige besaß und hier auch gearbeitet hatte, bevor er nach anderen Orten weiterzog. Unter diesen ist nur ein Aufenthalt in Durlach gesichert, wo er wahrscheinlich zwischen 1568 und 1572, spätestens aber 1577 für den Markgrafen Karl II (gest. 1577) tätig war. [5]
    • In seinem Gesuch im November 1577 für die Stellung eines Straßburger Werkmeisters auf dem städtischen Zimmerhof bezeichnet sich Schoch als Mühlmeister, das Jahr dieser Ernennung bleibt ungewiß, aber bereits 1575 wird er mit diesem Titel erwähnt. Im Dezember 1577 erhält er den postulierten Werkmeisterposten, resigniert aber im April 1583 diesen Dienst, um die Stellung eines baden-durlachschen Baumeisters anzutreten, wobei er in seiner Eingabe beim Rat erwähnt, daß er bei seinem bisherigen Lohn "in den fünf jaren nit sechs gulden seinen kindlen fürsparen oder sein nahrung beßern können", außerdem habe er bei Durlach noch Güter und manches von Freunden zu erwarten.Tatsächlich war Schoch mehrfach beim Rat um Lohhnerhöhungen vorstellig geworden, er erhielt anfangs als Werkmeister jährlich 114 Gulden und 12 Viertel Frucht. 1580 wurde ihm eine Erhöhung bewilligt, weil "er ein fleißiger man, sich wol sehen läßt und was yme befolhen würt, getruwlich ausrichtet und an ime keinen mangel erscheynen läßt". Bei einer neuerlichen Eingabe um Lohnerhöhung 1581 zeigte er sich seiner Qualitäten wohlbewußt, ließ er doch schon eine Abwerbung und einen möglichen Fortgang durchblicken, er habe "dem fürsten von Württemberg ettliche uffrißen allerhand gebeuwen gemacht und also gefertigt, dz man nicht allein ein genuegen an ime gehabt, sonder auch sich in dienst in lro fürstlichen gnaden sich zu begeben, ime zugemutet ... Er hab aber nichts zusagen wöllen, doch dises abscheid gemacht, dz er sich bedencken und uff später zuschreiben sein resolution endlich tun wöll". Die Demissionierung von 1583 kam deshalb nicht ganz überraschend, obwohl er damals gerade mit dem Bau des neuen Straßburger Rathauses, dem sog. Neuen Bau begonnen hatte, dessen Weiterführung jetzt in den Händen des Werkmeisters Jörg Schmid und des Polierers Paul Murer lag. Schoch dachte aber nicht daran, alle Brücken zu Straßburg abzubrechen. So hatte er sein Bürgerrecht beibehalten und alls er ein Jahr später, im Oktober 1584 für die Stellung eines Lohnherrn kandidierte, fügte er hinzu, "und sonderlich sein haußfrau verhofft seine Ihr gesundtheit wieder alhie (d.h. in Straßburg) zu erlangen unnd begert fürnemblivh das leben alhie zu enden". Nur wenige Tage später kolportiert das Protokoll die Bemerkung Schochs er "sey einmal ein gutter Strassburger und gedenck auch ein Strassburger zubleiben so lang er leb"
      Während noch am 6. November die Oberen Bauherren Schoch für sein Lohnherrenamt jährlich 120 Gulden, Frucht, Wein und zwei Hofkleider bewilligen wollten, die Entscheidung aber letztlich dem Rat überliessen, kam dieser am folgenden Tag nach langwierigen Überlegungen zu einem anderen Entschluß.
      Man einigte sich, daß Schoch jetzt 150 Gulden und 15 Viertel Frucht erhalten solle, "denn Meister Hansen ... der nicht allein für ein lohnherren, sondern auch für ein bauwmeister zu brauchen, der sich uff holzwerck sonderlich versteht, ... sonderlich dieweil gemeiner Statt gebäuw täglich zu unnd nit abnehmen, könne dasjenige so man Ihme mehr alß anderen gibt In kurzer Zeit wieder eingebracht werden" Merken wir noch am Rande an, daß hier von berufenster Stelle bestätigt wird, daß ungeachtet einer von Francois-Joseph Fuchs beobachteten Konjunkturkrise das Bauwesen in Straßburg in den achtziger Jahren in höchster Blüte stand. Es muß jedoch gesagt werden, daß die Stadt in der Frage des Stadtbaumeisters in einer mißlichen Lage war, denn sie besaß bereits einen solchen in der Person des damals schon berühmten Daniel Specklin. Dieser aber,spezialisiert auf das Festungsbauwesen, kümmerte sich ganz offensichtlich nicht um den Zivilbau, "darzu doch Specklin sich nit wöllen oder können gebrauchen lassen" wie es in einem Protokoll des Rates heißt. [6]
    • Wie sehr die Stadt, bei aller etwas kleinkrämerischen Berechnung, Schoch schätzte, läßt sich daran ablesen, daß sie ihn zwar zum Lohnherren, zum Aufseher aller städtischen Bauarbeiten, ernannte, gleichzeitig aber dem Drängen des Markgrafen nachgab und Schoch noch bis zum kommenden Jahr beurlaubte,um seine. Arbeiten im Dienste Durlachs zu Ende zu bringen. Aus den Protokollen der XXI ergibt sich, daß Schoch auch noch in den folgenden Jahren regelmäßig nach Durlach reiste , um für Markgraraf Ernst Friedrich und auch für dessen Bruder Markgraf Jacob Gebäu und Pläne entworfen hatte, so für das 1584 bis 1585 erbaute Durlacher Gymnasium, das Ernestinum nahe der Stadtkirche (1689 niedergebrannt), ein Steinbau mit niedrigem oktogonalem Turm. Desgleichen dürfte der langgestreckte Altan des Schlosses mit seinen beiden Belvedereaufbauten auf ihn zurückgehen, der in sehr ähnlicher Form auf der Stadtseite des von Schoch erbauten Friedrichsbaus in Heidelberg wiederkehrt.
      Ab 1588 wird dann auch das Lustschloß Gottesaue vor den Toren des heutigen Karlsruhe für Ernst Friedrich nach den Plänen von Schoch erbaut. Die Ausführung lag wieder in den Händen von Paul Murer, der vom Straßburger Barlier [5. Marz 1586: Paulus Murer von Zürich der Barlier uff dem Murhoff.] zum markgräflichen Baumeister avanciert war. 1590 endlich, nach dem Ableben von Daniel Specklin, erhielt Schoch dessen Amt eines städtischen Baumeisters mit der gleichen Besoldung von 250 Gulden jjährlich, was eine erhebliche finanzielle Verbesserung darstellte, zumal noch eine freie Wohnung hinzukam. Doch schon zuvor, noch in der Stellung eines Lohnherrn hatte Schoch in Straßburg das Salzhaus neben dem Münster (1586, abgerissen 1772) und die Neue Metzig (1587) erbaut. Daß Schoch seit dem Rathausbau in der Rolle eines Baumeisters auftritt, läßt sich nicht als Selbstverständlichkeit werten. Als Zimmermann ausgebildet, zunächst auf den Mühlenbau spezialisiert, muß er sich spätestens in seiner Werkmeisterzeit, und sicher als Autodidakt, eingehend mit der vitruvianischen Theorie der Säulenordnungen auseinandergesetzt haben, die er 1583 beim Entwurf des Neuen Baus vollendet beherrschte. [7]
    • Der Ruf Schochs war inzwischen überregional und bis in das kurfürstliche Heidelberg gedrungen. Als der Straßburger Rat am 18. Mai ein Schreiben des Markgrafen Ernst Friedrich erhielt mit der Bitte, Schoch für ein paar Tage nach Carlsburg, d.h. nach Durlach zu beurlauben, folgte schon zwei Tage später die Bitte des Pfalzgrafen Johann Casimir, den Stadtbaumeister gleich für vierzehn Tage nach Heidelberg zu senden, da der kurfürstliche Administrator "allerhand gebeu vorzunehmen bedacht, darbey bawverständigen Rhat bedürfe" Der Rat willigte regelmäßig ein, wohl auch in der Überlegung, daß es nicht zuletzt der Stadt zur Ehre gereiche, einen so geschätzten Baumeister zu besitzen.
      In dieser Zeit befaßte er sich auch mit Wehranlagen, wie es die sieben signierten, 1589 bzw. 1590 datierten Pläne zur Straßburger Stadtbefestigung beweisen. Unlängst sind noch zwei weitere, 1591 datierte Pläne zur Befestigung von Emmendingen aufgetaucht, ein Beweis, daß Schoch noch immer für den Markgrafen tätig war.
      In den neunziger Jahren nun verschlechterte sich die politische und wirtschaftliche Lage der Stadt zusehends, was zum großen Teil mit dem Bischöflichen Krieg zusammenhing. Tatsächlich haben wir es nun mit einer Ironie des Schicksals zu tun; denn einmal zum Stadtbaumeister ernannt, hatte die Stadt an Schoch nicht einen einzigen Großbau mehr zu vergeben. Ja, 1597 entließ man ihn, wie es heißt, aus finanziellen Gründen, weil "meine Herren kein Gebaw haben" und verärgert schließt das Protokoll: "Zu dem er auch selten hie sondern andern hern dienet unnd draußen ist". [8]
    • In den nächsten Jahren lassen uns die Quellen über Schoch vollständig im Stich. Für Straßburg kann er nicht gearbeitet haben, wenn überhaupt wird er Visierungen und Ratschläge für auswärtige Herren geliefert haben; aus dem Jahre 1600 wissen wir, daß er für den Herzog von Württemberg einen Überschlag mit Rissen für einen Bau in Heilbronn gefertigt hat. Erst ab Sommer 1600 und im Frühjahr 1601 ist er wieder im Gespräch und zwar wird er damals dem Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz aals Baumeister für einen geplanten Neubau, den späteren Friedrichsbau, empfohlen. Für die Heidelberger Zeit, die achtzehn Jahre währen sollte, stützen wir uns auf die ausgezeichnete archivalische Arbeit von Maximilian Huffschmid von 1919, aus der wir aber nur die biographischen Hauptdaten entnehmen, so daß ihre Lektüre für jede monographische Studie zu Heidelberg, Amberg oder Speyer weiterhin unerläßlich bleibt. [9]
    • Am 23. März 1601 wurde Schoch als neuer kurpfälzischer Baumeister eidlich verpflichtet. Aus der Kammermeisterrechnung von 1602 geht hervor, daß er zunächst eine Besoldung von 250 Gulden und zusätzlich 25 Gulden für Hauszins erhielt. Eine Erneuerrung seiner Bestallung liegt vom 14. März 1607 vor, als der Friedrichsbau schon weit fortgeschritten und Schoch inzwischen mit einer ganzen Reihe anderer Bauvorhaben in den verschiedenen Gebieten der Kurpfalz betraut worden war. Seine Bezüge sind jetzt durchaus fürstlich zu nennen."... umb solchen seinen dienst ... wollen wir ihme Jahrs uf sein zimbliche Quittung ausrichten und bezahlen lassen dreyhundert gülden batzen dienstgeltt und für den Diesch zu Hoff anderthalb Fuder Wein, zwantzig Malter Korn, Brennholtz die nottdurfft, ein wohnung im Bawhoff, zwey Kleider, ein Sommer und ein Winterkleidt und, wan er ausserhalb ufm Landt in unsern geschefften zu tun, soll Ihm auss unserm wagenstall ein bürstkarch mit eim Pferdt geordnet, auch unsert wegen zimbliche zehrung uf sich und seinen jungen bezalt werden, sonsten aber alhie sowohl er, alss der Jung in seim eigenen Costen sein".
      1602 und 1604 begab er sich nach Amberg in der Oberpfalz, wo er das Schloß erneuerte und am Zeughaus Anbauten vornahm. Für die Vielseitigkeit von Schochs Interessen und Möglichkeiten zeugt, daß er im Amberger Schloß die aufwendigen Wandvertäfelungen für mehrere Räume persönlich entwarf. Es beweist, daß Schoch ein Meister des Ornamentalen war und seine zahlreichen Bauornamente,in Straßburg, in Schloß Gottesaue, am Friedrichsbau, man denke auch an den Wandbrunnen in Schloß Ettlingen, sicher alle selber entworfen hatte. [10]
    • Nach Adolph Seyboth war Schoch schon 1603 in der Lage gewesen, in Straßburg, in der Franziskanergasse (heute rue des Récollets) Nr.3 ein Haus zu kaufen, das er wohl nie selbst bewohnte. 1610 starb sein Gönner Friedrich IV und es folgte ihm dessen unmündiger Sohn als Friedrich V nach, dessen Prager Abenteuer ihm zehn Jahre später den Namen Winterkönig eintragen sollte. Er behielt Schoch zwar im Dienst, ließ aber einen neuen, im Oktober 1612 begonnenen Schloßflügel, den Englischen Bau, von einem anderen Baumeister entwerfen, was Schoch zweifellos als eine bittere Zurücksetzung empfunden haben muß. Man mag es damit in Zusammenhang sehen, wenn Schoch im März des folgenden Jahres neben seiner Stellung am kurpfälzischen Hof sich nonoch zum Baumeister des Bischofs von Speyer, Philipp Christoph von Sötern, ernennen ließ, "zu jetzigen unsern alhie zu Speyer bevorhabenden newen und andern bawen" Schoch bezog hier noch zusätzlich 100 Gulden und ein Fuder Wein, wurde, wenn seinne Anwesenheit nötig war, mit Pferden und Fuhre auf bischöfliche Kosten geholt und nach Heidelberg zurückgebracht. Er begann sofort mit dem, neben dem Dom gelegenen Neubau der bischöflichen Pfalz, die wie die Gottesaue und der Friedrichsbau schon 1689 von den Franzosen niedergebrannt wurde. [11]
    • Schon im Januar 1620 bewarb sich Schoch um das Amt des Stadtbaumeisters beim Straßburger Rat. Der jedoch beschloß zunächst, "man soll mit der Antwort noch länger inhalten" Im Juli indessen fiel eine positive Entscheidung, und knapp einen Monat später bestimmte der Rat seine Besoldung: 200 Gulden jährlich, dazu 20 Viertel Frucht, 1000 Wellen Holz, ein Haus oder 40 Gulden Hauszins. Schoch versuchte noch die 200 Gulden auf 250 zu erhöhen, da er in Heidelberg zusätzlich eineinhalb Fuder Wein erhalten habe, was aber abgelehnt wurde. Mit etwa siebzig Jahren, für diese Zeit einer weitaus kürzeren Lebenserwartung ein hochbetagter Greis, befand sich Schoch ein zweites Mal an der Spitze allen städtischen Bauens.
      Allerdings hatte die Stadt jetzt zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, in dem schon bald auch die nähere Umgebung in Mitleidenschaft gezogen wurde, einmal mehr keine Großbauten in Planung, stattdessen dachte sie an die Instandsetzung und Verbesserung ihrer Befestigungen. Schoch hatte hieran wesentlichen Anteil, wie es die nach seinem Tode in seinem Hause inventarisierten Zeichnungen, die wahrscheinlich zum Teil mit den in den Archives municipales noch heute bewahrten Blättern identisch sind, beweisen.
      Das Inventar erwähnt auch vier Grundrisse des Neuwen hiesigen Zeughauses, so daß man annehmen darf, daß die noch vorhandene Fassade mit ihrem Schweifgiebel in den Formen des beginnenden 17. Jahrhunderts des heute als Militärkapelle genutzten Baues von Schoch stammt.
      Aber auch noch in diesen zwanziger Jahren arbeitete Schoch für auswärtige Herren, mit Sicherheit für den Bischof von Speyer. Man kann sich fragen, ob der Vertrag von 1613, mit dem er sich in den Dienst von Philipp Christoph von Sötern stellte, nicht noch immer gültig war. Da er damals nach dessen Wortlaut "zu jetzigen unsern alhie zu Speyer bevorhabenden newen und andern bawen bestellt war, dürfte der Bischof ihn auch bei der 1615 begonnenen Befestigung seiner Residenz Udenheim, etwa 10 km östlich von Speyer jenseits des Rheins,beschäftigt haben. Nicht nur wehrhaft, sondern auch prächtig müssen die Bauten gewesen sein, allein die Tore sollen über 20 000 Gulden gekostet haben.
      Von Anbeginn war die Festung den benachbarten protestantischen Reichsständen ein Dorn im Auge, und 1618 schleiften Kurpfalz, Baden und Württemberg
      vereint Bollwerke, Mauern und Wälle. Wahrscheinlich wurde nicht alles zerstört, denn der Bischof machte sich 1622 an den Wiederaufbau. 1623 wurde er Erzbischof von Trier und erhielt damit die Kurwürde. Noch im selben Jahr machte er Udenheim zu seinem persönlichen Denkmal und taufte es in Philippsburg um, wie es noch heute heißt. Stadt oder Festung, vielleicht beides, baute er weiterhin unter der Leitung von Hans Schoch aus, denn wir finden diesen Ende Januar 1625 und noch einmal acht Tage im Januar 1626 beim Kurfürsten zu Trier in Philippsburg. Bis hierhin scheint sein hohes Alter weder seine Schaffenskraft noch seine Reiselust beeinträchtigt zu haben. Ein Jahr später jedoch lassen die Straßburger Oberen Bauherren beim Rat hören, daß der Baumeister Schoch "jetzt zimblich alt sei, den geschäftten nit mehr nachsetzen mag, man möge seinen Dienst aufkündigen, ihm aber seine Wohnung und seinen Sold belassen", im September 1627 ergeht dann der endgültige Bescheid.
      Das genaue Todesdatum von Hans Schoch ist uns nicht überliefert. Es ergibt sich aber mit einiger Präzision aus dem von zwei städtischen Kanzleibeamten am 30. Dezember 1631 und 2. Januar 1632 erstellten Inventar der Architekturzeichnungen, die "in weylandt Hannsen Schochen gewesenen Bauwmeisters Wohnhaußung gefunden wurden" Er muß also wenig zuvor, wahrscheinlich noch im Dezember 1631 verstorben sein. [12]
    • Ein glücklicher Fund in den Archives departementales du Bas-Rhin zu Straßburg wirft erstmals ein Licht auf Schochs Besitzstand, auf seine Familie und, vor allem für die Kunstgeschichte von Interesse, auf sein Verhältnis zu dem Erbauer des Aschafffenburger Schlosses Georg Ridinger. Es finden sich dort zwei vom 3. Februar 1632 datierte Teilregister, ausgestellt auf die Namen von zwei der Enkel Schochs [Das Register für Hans Georg umfaßt 35 Blatt, das für Johannes Schweickhardt 45 Blatt.]. Sie enthalten die Niederschrift einer komplizierten Erbteilung mit Verlosung von Schochs Hinterlassenschaft unternommen von dem Straßburger Notar Johann Peter Bündell. Das originale vollständige Nachlaßinventar hat sich nicht erhalten, die Teilregister beruhen aber auf ihm und bringen jeweils längere Auszüge daraus.
      Schoch hinterließ Hausrat, einiges an Silbergeschirr und Geschmeide, eine Barschaft von 160 Pfund und 13 Schillingen und ein verzinstes Kapital von 2065 Pfund, 15 Schillingen und 2 Heller. Hinzu kamen 100 Reichstaler von "weyland Frau Margarethen ad dies vita usu fructuarie genossen". Frau Margarethen war Schochs zweite Ehefrau, Margarethe Beck, was gleichfalls aus unseren Texten hervorgeht. Schließlich gab es noch einen Schuldschein des Georg Hannibal von Venningen, der auf 1000 Guldeden lautete, für Arbeiten, die Schoch für ihn fünf Jahre zuvor geleistet hatte. Dieser wird jetzt "bei der Regierung zue Ensisheim" eingeklagt und zwar auf Betreiben der Straßburger Johanniterkommende, über deren Rolle in dieser Angelegenheit wir gleich hören werden.
      Die in den Teilregistern aufgeführten Erben Schochs sind zunächst seine Tochter Elisabeth, Witwe des Straßburger Notars Georg Kohler, die eine Hälfte erhält, die andere Hälfte geht, und das ist die eigentliche Überraschung unseres Textes, an diddie vier Kinder des kurmainzischen Baumeisters Georg Ridinger, ein gebürtiger Straßburger, der für den Mainzer Erzbischof und Kurfürst Johann Schweikard von Kronberg das Schloß zu Aschaffenburg (1605-1616) erbaut hatte. Der 1568 geborene Ridinger hatte im November 1600 Schochs Tochter Maria in Jung Sankt Peter in Straßburg geehelicht. Maria Schoch starb bereits 1613, 1617 folgte ihr der Gatte nach. Ihre vier Kinder, also die Enkel Schochs, sind "Maria Cleophe herren Johann Linn Mainzischen Schultheißen zu Limbach Ehegemalin, Johann Georg so sich ane jetzo in Kriegswesen aufhaltet, Elisabeth, Johann Heuslers Churfürstlichen Mainzischen Einspennigers haußfrauwen und Herr Johann Schweickhardt Ruedinger Johanniter Ordens zum Grünen Wördt allhie zu Straßburg". Noch während der Erbverhandlungen trifft dann die Nachricht ein, Johann Georg sei im Krieg verstorben. [13]
    • Wenn Hans Rott 1917 noch glaubte, das Lebensende von Hans Schoch mit einem Schein von Tragik umgeben zu müssen, er meinte, daß Schoch in ziemlich dürftigen Verhältnissen starb, hält dieses Urteil nicht stand. Schoch hatte, abgesehen von den drei Jahren nach seiner Entlassung als Stadtbaumeister 1597 bis ins hohe Alter ein erfülltes und erfolgreiches Leben und hinterließ ein ansehnliches Vermögen. Relativ schnell gelang es ihm in seiner Wahlheimat Straßburg sich vom Zimmermann zum Baumeister zu qualifizieren, vom Werkmeister zum Lohnherrn, dann zum Stadtbaumeister aufzusteigen. Früh auch war sein Ruf über die Grenzen der Stadt gedrungen, und er hatte das Glück, sein Leben lang für große Herren zu arbeiten, den Herzog von Württemberg, den Markgrafen von Baden-Durlach, den Pfalzgrafen in Heidelberg und schließlich noch für den Bischof von Speyer, den späteren Erzbischof von Trier.
      Sein Tätigkeitsfeld zerfiel deutlich in zwei Bereiche. Für die auswärtigen Herren entstanden monumentale, prachtvolle Residenzen, Schloß Gottesaue, der Friedrichsbau in Heidelberg, die bischöfliche Residenz zu Speyer. Ganz anders verhielt es sich in Straßburg. Im Dienst der Republik sah er sich stetig der oft kleinlichen Mentalität eines Rates gegenüber, dem geregelte Finanzen und die Sicherheit der Stadt vorrangig waren, dem Schönheit und Glanz öffentlicher Bauten aber völlig fern lagen. Den einzigen repräsentativen Bau, das neue Rathaus, errichtete Schoch noch in seiner Stellung als Lohnherr. Als Stadtbaumeister hatte er sich vorwiegend mit ingenieurtechnischen Aufgaben, mit Brücken, Mühlen und Befestigungen zu befassen. Letztlich hat Straßburg seinen Baumeister zwar geehrt, seinen kreativen Fähigkeiten jedoch kaum eine Chance gegeben. [14]

  • Quellen 
    1. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 149.

    2. [S417] KB Strasbourg Paroisse protestante Saint-Pierre-le-Jeune, 92.

    3. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 159.

    4. [S416] KB Strasbourg Paroisse protestante Saint-Thomas, 53 Nr.173.

    5. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 150.

    6. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 150,151,153.

    7. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 152,153.

    8. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 153,154.

    9. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 154,155.

    10. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 155.

    11. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 155,156.

    12. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 157-159.

    13. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 159,160.

    14. [S415] Biographische Nachlese zu den beiden Straßburger Baumeistern Hans Schoch und Georg Ridinger, Liliane Châtelet-Lange, 171,172.