Familien und Verwandte der Vorfahren der Grafen Beilstein / Wolfsölden / Schauenburg

Home | Einleitung | Regionen | Ahnenlisten | Familien | Orte & Namen | Suche | Links | Gästebuch | Änderungen | Kontakt

Home | Introduction | Regions | Pedigree Charts | Families | Places & Names | Search | Links | Guestbook | Last Changes | Contact


<

Namensliste

>


Ahn-Nr. 153856.18; 283520.19; 283904.19; 287104.19; 300288.19; 567112.20; 567880.20; 574280.20; Pers-Nr: 140

Personenblatt


Name:

Pippin II. der Mittlere von Heristal

Sippe:

Arnulfinger

Titel:

Fränkischer Hausmeier

Datum

Konf

Hinweis

Ort, PLZ, Staat


Geburt

um 0635

Tod

16.12.0714

Jupille, 4020

Begraben

Eltern


Arnulfinger, Ansegisel, domesticus des austrasischen Königs Sigibert III (307712.19; 567040.20; 567808.20; 574208.20; 600576.20; 1134224.21; 1135760.21; 1148560.21)

Geburt

um 0610

Tod

nach 0657

<18>

Heirat

<<2>>

Pippiniden, Begga, Gründerin von Andenne (307713.19; 567041.20; 567809.20; 574209.20; 600577.20; 1134225.21; 1135761.21; 1148561.21)

Geburt

um 0615

Tod

um 0692

<25>

Heiraten


1) Hugobertiner, Plektrudis

Geburt

um 0650

Tod

0725

<142>

Heirat

um 0670

<<46>>

2) Chalpaida

<39>

Heirat

<<45>>

3)

Historie zur Person

Pippin II. der Mittlere von Heristal Fränkischer Hausmeier
635 oder 640/50-16.12.714 Jupille Begraben: Chevremont
Sohn des Domesticus Ansegisel und der Begga; Enkel Pippins I. des Älteren und Arnulfs Bischof von Metz

ADB:Pippin der Mittlere
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Pippin_der_Mittlere

Pippin der Mittlere, nach späterer und irriger Quelle öfters „von Heristal“ genannt, der Wiederhersteller der Pippinidenmacht und der fränkischen Reichseinheit und insofern der rechte Erbe des Werkes von Chlodwig I. Er ist ein Sohn des Ansgisel und einer Tochter Pippins des Aelteren, also aus der Verschmelzung der Arnulfingischen und Pippinischen Familie hervorgegangen und selbst der Stammvater der Karolingischen. Zur Feststellung seines Geburtsjahres fehlen sichere Anhaltspunkte. Angaben über seine Jugenderlebnisse sind sagenhaft. Geschichtlich tritt er erst 680 in dem heißen Ringen Austrasiens und Neustriens um die Vorherrschaft hervor. Da zieht er und Martin, beides Häupter der vornehmsten Familien Austrasiens und Führer der nach der Unabhängigkeit ihres Landes strebenden Partei gegen den neustrischen Majordomus Ebroin, der durch seine Schreckensherrschaft im Namen des Königs den inneren und äußeren Zerfall des Frankenreichs eher beförderte, als hinderte. Der blutige Kampf bei Lucofago (Bois de Fays?) in der Nähe von Laon endete mit ihrer Niederlage und mit Martins Tod. Der gerettete P. aber behauptete seine Stellung in der Heimath. Nach Ebroins Tode, der wilde Verwirrung in den Herrschaftsverhältnissen Neustriens herbeiführte, suchten die Gegner des Gemordeten Zuflucht bei P. Er schließt aber mit Ebroins Nachfolger Waratto Frieden, stellt Geiseln und erkennt Theuderich III. als seinen Herrn an. Bei dem weiteren Parteikampfe zwischen Waratto und seinem Sohne Gislemar hält er dem ersteren die Treue und nimmt Partei gegen den letzteren; doch unterlagen seine Austrasier dem Verrathe desselben. Mehr Erfolg hatte er, als der unfähige und missachtete Schwiegersohn Warattos Bertharius nach dem Tode des Schwagers in den Besitz des Hausmeieramtes gelangte und er nun, dem Rufe der Gegenpartei folgend, den austrischen Heerbann gegen Theuderich und Bertharius führte. Bei Testri (Tertri? am Omignon, Departement Somme, Arrondissement Peronne), in der Nähe von St. Quentin gewann er (687) einen durch die Spaltung der Neustrier vielleicht erleichterten, jedenfalls glänzenden Sieg, nachdem er unter Gefangennehmung Theuderichs und Besitznahme seiner Schätze nach Austrasien zurückkehrte. Durch diesen Sieg war die Einheit des Frankenreichs wiederhergestellt, die Machtstellung desselben angebahnt, seine Geschicke auf Jahrhunderte hinaus mit denen der karolingischen Familie verknüpft, die dadurch den Grundstein zu ihrer späteren Größe legte. Zur Kraft gesellte P. aber auch politische Klugheit und Mäßigung, das Erbtheil seines mütterlichen Großvaters; denn noch ließ er trotz des Sieges Bertharius in seiner Würde. Nach dessen Tode aber wurde er Majordomus und Fürst des Gesammtreichs und befestigte seine Macht durch Verschmelzung seiner Familie mit der des Neustriers Waratto. Er gewann Ansfled, die Gemahlin desselben für sein Interesse und ihre Zustimmung dafür, daß sein Sohn Drogo [155]sich mit ihrer Tochter vermählte. Vorläufig ließ er einen seiner Vertrauten als seinen Vertreter in Neustrien zurück, machte später seinen Sohn Grimoald, der vielleicht auch Graf von Paris war, zum Statthalter, und seinen Sohn Drogo zum Herzog von Champagne. In Austrien schaltete er selbst als Herzog. So behandelte er das Frankenreich wie ein Erbgut seiner Familie. Das spätere Königthum kündigte sich bereits an. In den Fehler des älteren Grimoald zu verfallen, hinderte ihn seine politische Vorsicht. Auch in kriegerischer und kirchlicher Beziehung ist er der Vorläufer der späteren Karolinger. Er nimmt den Kampf gegen die feindlichen Grenzvölker und gegen aufständische Herzöge auf, erweitert das Reich und breitet das Christenthum unter den germanischen Stämmen aus, indem er die Glaubensboten unterstützt. So siegt er (689?) über den Friesenfürsten Ratbod bei Wyk-te-Duerstede, südöstlich von Utrecht, gewinnt wahrscheinlich einen Theil seines Landes und befestigt den abgeschlossenen Frieden durch die Vermählung seines Sohnes Grimoald mit Teutsinda, der Tochter Ratbods. Die dem Reichsverbande sich entziehenden Alemannen bekämpft er wiederholt zwischen 709 und 712. In die neu gewonnenen Gebiet sendet er Willibrord als Missionar; auf seinen Antrieb wird dieser vom Papst Sergius zum Bischof für Friesland geweiht, vielleicht in dem Bischofssitz Utrecht. Auch macht er denselben Mann zum Abt seines Stiftes Echternach am Flüßchen Sauer, stattet diesen eigentlichen Mittelpunkt von Willibrords Missionsthätigkeit mit vielen Besitzungen aus, ebenso wie er den heiligen Suidbert, den Bekehrer der Gegend um die mittlere Ems, mit Kaiserswerth beschenkt. Endlich begabt er auch die Grabkirche seines Großvaters zu Metz, die Klöster St. Wandrille, St. Trond u. a. Stifter reichlich. Seine letzten Lebensjahre sind getrübt. Der Tod tritt seinen politischen Plänen hindernd in den Weg. Sein Sohn Drogo erliegt 708 dem Fieber. Grimoald wird bei einem Besuch des todkranken Vaters in Jüpille an der Maas von einem rachsüchtigen Friesen ermordet. Sterbend versucht P. die Erblichkeit der Majordomuswürde durch Einsetzung seines unmündigen Enkels Theudoald als Hausmeier unter Vormundschaft seiner Großen und seiner Gemahlin Plektrud in seiner Familie zu begründen, ruft aber durch diesen Widerspruch gegen den Begriff des Amtes nur den Widerstand der Neustrier und den Kampf in seiner eigenen Familie mit seinem dritten Sohne Karl von seiner Nebengemahlin Alpheida hervor und stellt dadurch sein eigenes Lebenswerk in Frage. Glücklicherweise erlebt er diese Wirren nicht mehr, freilich auch nicht mehr die glänzende Entfaltung des Reiches durch Karl, auf den die Heldenkraft der Familie übergegangen ist; denn er erliegt am 16. Dec. 714 zu Jüpille langer Krankheit nach 27jähriger Leitung des Gesammtreichs.

Vgl. Bonnell l. c. (bei Pippin dem Aelteren), S. 118–133. – Richter l. c., 179–183. – Mühlbacher, S. 4–11. – Waitz l. c., 702 ff. und III, 7 ff. (2. Aufl.). – Ranke l. c. V, 2, 267 ff.

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2167, Pippin II. der Mittlere, fränkischer Hausmeier
* ca. 640/50, + 16. Dezember 714 Jupille (Maas) Begraben: Chevremont
Eltern: ARNULFINGERAnsegisel und Begga, Tochter Pippins I.
1. oo Plektrud
zwei Söhne:
Drogo
Grimoald II.

2. oo Chalpaida
Sohn:
Karl Martell
3. N.N.
Sohn:
Childebrand

Pippin II., Erbe der austrasischen Hausmeierdynastie, die nach dem mißglückten ‚Staatsstreich‘ Grimoalds I. vorerst ausgeschaltet war, gelang es in zähem Ringen, die reichen Besitzungen sowie den Anhang im austrasischen Adel zu behaupten, nicht zuletzt dank der Heirat mit der aus vornehmen austrasischem Adel stammenden Plektrud (um 670). Im Konflikt mit dem neustrischen Hausmeier Ebroin unterlag er zusammen mit dem Dux Martin bei Laon (vor 680); Martin wurde erschlagen, Pippin konnte fliehen. Nach der Ermordung Ebroins (680) anerkannte der neue Hausmeier Waratto Pippins Vormacht in Austrasien. Dieser Ausgleich endete 686 mit Warattos Tod, dessen Nachfolger und Schwiegersohn Berchar auch im nesutrischen Adel umstritten war. Von diesem zum Eingreifen ermuntert, erfocht Pippin der Mittlere 687 bei Tertry (an der Somme) den entscheidenden Sieg. Sowohl die Metzer Annalen wie die moderne Historiographie sehen 687 als Epochenjahr, das den Aufstieg der KAROLINGER einleitete. Pippin der Mittlere respektierte aber sowohl das Thronrecht der MEROWINGER als auch die Hausmeierstellung des unterlegenen Berchar; nach dessen Ermordung im folgenden Jahr übernahm er formell das höchste Amt und verheiratete seinen Sohn Drogo mit Berchars Tochter. Von Austrasien aus regierte er das Reich, am Hof von Nordebert, einem zuverlässigen Anhänger, vertreten. Drogo ernannte er zum Dux der Champagne. Noch vor 700 übertrug er die Hausmeierwürde auf seinen jüngeren Sohn Grimoald II., Drogo erschien nun als Dux der Burgunder. Pippin selbst, in den Quellen meist 'princeps' oder 'dux' genannt, hatte ohne eigentliches Amt die Gesamtleitung des Reiches inne. Zur Konsolidierung des Reiches gehörte notwendig die Auseinandersetzung mit den 'Stämmen', die jedoch nicht allzu erfolgreich verlief: Die autonome Stellung des aquitanischen Herzogtums blieb erhalten, und Feldzüge gegen den alemannischen Herzog (709-712) verliefen ohne nachhaltigen Erfolg, Sachsen und Bayern blieben völlig unbehelligt. Erfolgreich dagegen waren Züge gegen die Friesen (690,695); Utrecht wurde eingenommen und die fränkische Vormacht durch ein Ehebündnis abgesichert (Grimoald II. oo Theudesinde, Tochter des friesischen Herzogs Radbod). Pippin der Mittlere übertrug dem angelsächsischen Missionar Willibrord vor 703/04 Utrecht als Bischofssitz. Das Kloster Echternach, das Willibrord von der vermutlichen Schwiegermutter Pippins, Irmina, erhalten hatte, trug er Pippin und Plektrud auf, um es anschließend mit weiteren Schenkungen als karolingisches Hauskloster zurückzuerhalten. Mit der Gründung weiterer Klöster und der Förderung der Mission sicherte sich Pippin der Mittlere das fürbittende Gebet ebenso wie weitere Stützpunkte seines politischen Einflusses. Der Tod Drogos 708 und die Ermordung Grimoalds II. 714 überschatteten Pippins letzte Jahre; in Übergehung möglicher Ansprüche Karl Martells wurde unter Plektruds maßgeblichem Einfluß Grimoalds unmündiger Sohn Theudoald zum Nachfolger bestimmt. Als Pippin der Mittlerestarb, waren die Konflikte der nächsten Jahre bereits vorprogrammiert.

Literatur:
H. Bonnell, Die Anfänge des karol. Hauses, 1886 - E. Hlawitschka, Die Vorfahren Karls d. Gr. (Braunfels, KdG, I, 1965), 51-62 - I. Heidrich, Titular und Urkk. der arnulf. Hausmeier, ADipl 11/12, 1965/66, 71-279 - I. Hasselbach, Aufstieg und Herrschaft der Karolinger in der Darstellung der sog. Annales Mettenses priores, 1970 - M. Werner, Der Lütticher Raum in frühkarol. Zeit, 1980, 405-368 - R. A. Gerberding, The Rise of the Carolingians and the Liber hist. Francorum, 1987 -

Biographien zur Weltgeschichte: Seite 455, Pippin II., der Mittlere, Pippin von Heristall, Hausmeier im Frankenreich
* um 635, + 16.12.714 Jupille
Enkel Pippins des Älteren und Bischof Arnulfs von Metz

Pippin II., der seit Ende der 70-er Jahre eine führende Stellung in Austrasien gewann, leitete mit seinem Sieg bei Tertry über den neustrischen Hausmeier Berchar die Entscheidung für die Vorherrschaft Austrasiens im Frankenreich und für den Aufstieg der KAROLINGER ein. Nach der Ermordung Berchars (688/89) übernahm Pippin II. der Mittlere die Hausmeierfunktion für das gesamte Frankenreich. Seinen Grundbesitz, der die beiden großen Komplexe aus dem Besitz der beiden Großväter im Maas-Mosel-Raum vereinte, dehnte er durch seine Ehe mit Plektrudis bis in die Eifel und an die mittlere Mosel aus. Durch Vermählung seines Sohnes Drogo mit der Witwe Berchars, Austrudis, und die Verdrängung der MEROWINGER aus Paris und den Hauptpfalzen, in seiner Umgebung durch seinen Sohn Grimoald sicherte sich Pippin der Mittleredas entscheidende Übergewicht im gesamten Reich. Außenpolitische Erfolge erreichte Pippin II. mit der Eroberung W-Frieslands bis zum Altrhein (wahrscheinlich 690-695), das er der christlichen Mission des Angelsachsen Willibrord erschloß, und der Unterwerfung des während des 7. Jh. faktisch wieder unabhängig gewordenem Herzogtümern Thüringen. Dagegen hatte er in 4 Feldzügen gegen die Alamannen keinen entscheidenden Erfolg, und auch die Bayern behauptetetn noch ihre faktische Unabhängigkeit, wenn sie auch durch fränkische Missionare kirchlich und kulturell wieder näher an das Frankenreich herangeführt wurden.

Hlawitschka Eduard: Seite 75, "Die Vorfahren Karls des Großen
15 Pippin der Mittlere

Pippinus, filius Ansegisili quondam, nennt sich Pippin der Mittlere wiederholt in Urkunden; vgl. C. Wampach, Echternach 1, 2, Nr. 14, 15, 24, Seite 39ff.; desgleichen so bei Lib. Hist. Franc. c. 46, MG. SS. rer. Merov. 2, Seite 320, ud Contin. Fredegarii c. 3, ebd., Seite 170; usw.
Zur Abstammung von Begga vgl. bei Nr. 8. - Eratque Pippino principe uxor nobilissima et sapientissima nomine Plectrudis. Ex ipsa genuit filios duos; nomen maioris Drocus, nomen vero minoris Grimoaldus; Liber Hist. Franc. c. 48, Seite 323, daraus Contin. Fredegarii c. 5, Seite 171. - Pippinus aliam duxit uxorem nobilem et elegantem nomine Chalpaida, ex qua genuit filium, vocavitque nomen eius lingue proprietate Carlo; Contin. Fredegarii c. 6, Seite 712, in Anlehnung an Lib. Hist. Franc. c. 49, wo der Name Chalpaidas allerdings erst später zugefügt worden ist. Sonstige Quellen BM² 4b-21h.

Im Krieg zwischen dem Hausmeister Neustriens und Burgunds, Ebroin, und Pippin, Hausmeister Austrasiens, siegte Ebroin 680 bei Lucafo (östlich von Laon), wurde aber 681 vom neustrischen Adel ermordet. Als Exponent der austrasischen Aristokratie schlug Pippin den neustrisch-burgundischen Hausmeier Berchar 687 bei Tertry (bei Saint Quentin) und wurde Hausmeier im gesamten Frankenreich. Er regierte seitdem selbständig und versuchte die fränkische Macht wiederherzustellen. Im Jahre 689 besiegte er den Friesen-Herzog Radbod in der Schlacht bei Wijk bij Durstedte (unweit Utrechts) und eroberte W-Friesland. In der Folgezeit unterstützte er die Missionstätigkeit des angelsächsischen Mönchs Willibrord in Friesland. Seine zwischen 709 und 712 unternommenen Feldzüge gegen die Alamannen endeten ohne Erfolg. Pippin hatte, gestützt auf den umfangreichen Grundbesitz seines Geschlechts in dem ökonomisch aufstrebenden Austrasien, auf die hier noch zahlreiche Schicht freier Bauern und auf die austrasischen Feudalherren, als Hausmeier faktisch die Funktion der Zentralgewalt ausgeübt. Die MEROWINGER-Könige waren endgültig zu Schattenkönigen herabgesunken. Da seine legitimen Söhne vor ihm gestorben waren, übertrugPippin die Herrschaft seinem Enkel Theodebald, der sich jedoch nicht gegen Karl Martell durchsetzen konnte.

Schieffer Rudolf: "Die Karolinger"

Wie es Pippin dem Mittleren und seiner Mutter Begga gelungen ist, sich während der kritischen 660er und 670er Jahre ihrer zahlreichen Widersacher zu erwehren, Besitzungen und bewaffnete Anhängerschaft trotz aller Einbußen als entscheidendes politisches Kapital im Kern zu behaupten und obendrein die Erinnerung an machtvolle Taten der Vorväter an der Spitze der Austrier wach zu halten, ist nirgends überliefert. Bezeichnenderweise ließ Begga nach dem Tode ihres Gemahls mehrere Jahrzehnte verstreichen, bevor sie um 691 (das heißt erst nach dem Sieg ihres Sohnes) die für eine hochadelige Matrone geradezu standesgemäße Klostergründung in Andenne an der Maas vornahm, die ihr in späterer Zeit den Rang einer Heiligen eintrug. Vorerst jedoch mußten Pippin und sie ziemlich ohnmächtig mitansehen, wie die Entwicklung des Frankenreiches über ihr Haus hinwegzugehen schien. Im Zentrum des wechselvollen Geschehens stand der neustrische Hausmeister Ebroin, der sein Machtwort in allen drei Teilreichen zur Geltung brachte und auch von den jugendlichen MEROWINGER-Königen allenfalls zeitweilig beiseite zu schieben war. Immerhin scheint der bisweilen blutig unterdrückte Widerstand geistlicher und weltlicher Großer am heftigsten in Auster gewesen zu sein, und dort begann sich auch das Blatt zu wenden, als Childerich II., mittlerweile König des Gesamtreiches, 675 ermordet wurde und sein Hausmeier Wulfoald wenig später starb. Gegen den Versuch des daraufhin aus der Klosterhaft entwichenen Ebroin, im Namen des verbliebenen MEROWINGERS Theuderich III. (673/75-690/91) von Neustrien her sein Regiment zu erneuern, trat nun der halbvergessene Vetter Dagobert II. auf, aus seinem langjährigen irischen Exil hervorgeholt von austrischen Kreisen, in denen auch Pippin zu vermuten ist. Jedenfalls gilt im "Buch der Frankengeschichte" Wulfoalds und "der Könige" Tod als Voraussetzung dafür, dass ein gewisser dux Martin und eben Pippin, der Sohn Ansegisels, in Auster die Oberhand gewannen und mit einem großen Heer gegen Theuderich und seinen Hausmeier Ebroin zogen.
Kaum 20 Jahre nach dem schmählichen Scheitern Grimoalds und seines Königsplans stand also der Neffe Pippin wieder in vorderster Linie der Austrier. Das völlige Schweigen der Quellen über die Hintergründe dieser erstaunlichen und höchst folgenreichen Entwicklung hat unter den Historikern manche Bemühungen ausgelöst, wenigstens indirekt näheren Aufschluß zu gewinnen. Dabei richtet sich das Augenmerk vor allem auf die Tatsache, dass gerade in den dunkelsten Jahren um 670 Pippins Heirat mit Plektrud, der Tochter Hugoberts, fallen muß, die in den folgenden Jahrzehnten eine recht bedeutende Rolle spielen sollte. Dass sie einer vornehmen austrasischen Familie entstammte, darf man ohne weiteres unterstellen, doch scheint es, dass sich dieser Eindruck, wenn auch nicht mit letzter Sicherheit, genealogisch präzisieren läßt. Demnach wäre Plektruds Mutter Irmina gewesen, die als Witwe Äbtissin des Nonnenklosters Echternach an der Sauer wurde und außer Plektrud eine weitere Tochter namens Adela hatte, die Gründerin und erste Äbtissin des Klosters Pfalzel bei Trier. Zusammen mit einigen weiteren Verwandten, die auf diesem Wege erschlossen werden können, zeichnet sich hier das Bild eines hochbedeutenden Adelsgeschlechts ab, dessen Macht sich von der mittleren Mosel über die Eifel bis an den Niederrhein nördlich von Köln erstreckte und in dieser Weiträumigkeit den ARNULFINGERN/PIPPINIDEN kaum nachstand. Wenn sich Pippin, der Erbe der vorerst ausgeschalteten Hausmeierdynastie, um 670 mit einer derartigen Familie verschwägert haben sollte, die zudem in Plektruds Generation keinen eigenen Stammhalter mehr hervorgebracht zu haben scheint, dürfte ihm ein Potential zugewachsen sein, das die Verluste an der Hinterlassenschaft der beiden Großväter mehr als aufwog und ihm gestattete, im Kreise der austrasischen Führungsschicht wieder einen vorrangigen Platz zu beanspruchen. Zugleich würde diese Kombination Plektruds besonderen Rang an der Seite Pippins verständlich machen. Wie dem auch sei: Sicher ist, dass die späteren KAROLINGER an den Wiederaufstieg unter Pippin dem Mittleren eine konkrete Erinnerung hatten als an die Ursprünge ihrer Dynastie um die Wende zum 7. Jahrhundert. Als Pippins "normensetzende Tat" (K. Hauck) galt nicht seine einträgliche Heirat, sondern der rächende Todschlag an Gundewin, dem Mörder seines Vaters Ansegisel. Um 800 wurde dies ausdrücklich mit Davids Sieg über den Riesen Goliath verglichen - für jenen der Anfang seines Weges zum Königtum - und zeitlich an die Spitze der gesamten Familienüberlieferung gerückt. Pippin sollte demnach bereits als ganz junger Mann den übermächtigen Gegner niedergestreckt und sogleich dessen Schätze unter seine Getreuen verteilt haben; darauf hätten sich "Stärke und Erfolg" Pippins weit herumgesprochen, und die Vornehmsten der Franken, die durch Pippins Vater Ansegisel zu ihren Ämtern gekommen waren, hätten sich mit ihrem Gefolge ihm angeschlossen. So sei Pippin zur "Führung bei den östlichen Franken" gelangt, heißt es zugespitzt in den sogenannten Metzer Annalen, die damit immerhin den Mechanismus der Gefolgschaftsbildung treffend wiedergeben.
Das rühmende Andenken an eine geglückte Blutrache, die tatsächlich wohl nicht mehr war als eine Episode in den austrasischen Adelsfehden jener Jahrzehnte, überdeckte später die wichtigere Tatsache, dass Pippin bei seinem Aufstieg ab 675 keineswegs vom Erfolg verwöhnt war und sehr leicht vom Strudel der Machtkämpfe hätte hinweggespült werden können. Der Feldzug, den er noch gemeinsam mit dem Gefährten Martin (trotz mancher Mutmaßung wohl keinem seiner Verwandten) zwischen 675 und 679 gegen den Hausmeier Ebroin anführte, endete nämlich nach schweren Ringen bei Lucofa (in der Nähe von Laon) mit einem Sieg der Neustrier, der Martins Tod zur Folge hatte, während Pippin sein Heil in der Flucht suchte. Einen weiteren argen Rückschlag muß für ihn die Ermordung "seines" Königs Dagobert II. Ende 679 bedeutet haben. In dieser prekären Lage rettete ihn zunächst nur, dass auch Ebroin kurz danach (680) der Bluttat eines Neustriers anheimfiel und der neue Hausmeier Waratto bereit war, gegen die Stellung von Geiseln Pippins Vormacht in Austrien hinzunehmen. Doch schon bald wurde Waratto von seinem aggressiveren Sohn Gislemar verdrängt, der mit Waffengewalt 681/83 gegen Pippin vorging; Namur und Köln werden dabei als dessen Stützpunkte genannt, die jedoch nicht verhindern konnten, dass er abermals den kürzeren zog. Gislemar vermochte den Erfolg indes nicht zu nutzen, weil er plötzlich starb, worauf sein Vater Waratto wieder ins Hausmeieramt zurückkehrte und seine ausgleichende Politik fortsetzte. Eine Verschiebung der Gewichte trat erst ein, als nach Warattos Tod (686) dessen Schwiegersohn Berchar Hausmeier wurde, denn dieser Mann hatte offenbar von vornherein mächtige Gegner im neustrischen Adel, die sich nun mit Pippin verschworen und ihn zum Eingreifen ermunterten. Bei Tertry (an der Somme) errang er im Jahre 687 den entscheidenden Sieg über die Neustrier unter Berchar und König Theuderich III. Damit konnte Pippin seine politische Vormacht in Auster endgültig festigen und zugleich den Weg zu deren formaler Legalisierung ebnen. Denn nach dem baldigen Ende Berchars hinderte ihn nichts mehr, seine Autorität vollends auch auf Neustrien auszudehnen, und er "nahm König Theuderich samt seinen Schätzen bei sich auf", wie der Fortsetzer der Fredegar-Chronik 50 Jahre später in stolzer Pointierung die Tatsache umschrieb, dass Pippin fortan den bestimmenden Einfluß auf den MEROWINGER und das gesamte Frankenreich besaß.
Pippin suchte anfangs den bezwungenen neustrischen Hausmeier Berchar im Amt zu belassen. Erst als dieser Ende 688 einem Anschlag seiner Schwiegermutter Ansfeld zum Opfer gefallen war, verschaffte sich Pippin auch förmlich den höchsten Rang nach dem König und verheiratete seinen Sohn Drogo mit Berchars Tochter Adaltrud, der Enkelin Ansfleds. Auf diese Weise verband er sein Haus mit einer mächtigen Adelssippe von der unteren Seine, die schon vor 687 in Neustrien erkennbar der pippinidischen Herrschaft vorgearbeitet hatte.
Pippin dezentralisierte die Familienherrschaft, sobald dazu die personellen Voraussetzungen bestanden. Sein ältester nach Neustrien verheirateter Sohn Drogo, der schon um 690 als dux in der Champagne aufgetreten war, wird nach 697 in den Quellen als dux der Burgunder bezeugt, während der jüngere Grimoald um dieselbe Zeit sogar das Hausmeieramt des Vaters übernahm und nach Neustrien ging, was dort den Spielraum der merowingischen Könige weiter einengte und ihre unmittelbaren Kontakte mit anderen Großen erlöschen ließ. Pippin konnte sich daher nach 700 darauf beschränken, in der ganz informellen Stellung eines princeps Francorum seine persönlich errungene Autorität einzusetzen, die eben auch den dynastischen Anspruch einschloß, die Macht unter seinen Nachkommen zu teilen.
Die letzten Jahre Pippins des Mittleren waren von familiärem Unglück überschattet. 708 verlor er seinen ältesten Sohn Drogo, den dux der Burgunder, der sein Grab in Metz - als erster der Familie - beim heiligen "Spitzenahn" Arnulf fand. Er hinterließ vier Söhne, doch galt offenbar kein Erstgeburtsrecht, denn statt der Enkel trat nun um so deutlicher Pippins jüngerer Sohn Grimoald in den Vordergrund, den der Vater ja schon früher durch die Überlassung der Hausmeieramtes bevorzugt hatte. Im März 714 war Pippin dann bereits so krank, dass er eine Urkunde zur Übertragung des Klosters Susteren (an der Maas) an Willibrord nicht mehr unterschreiben konnte, weshalb Plektrud das Rechtsgeschäft übernahm; ihre präzise Formulierung, dass künftige Äbte die Treue zu "uns und unserem Sohn Grimoald und dessen Söhnen und den Söhnen Drogos, unseren Enkeln" wahren sollten, wirkt wie die Vorahnung künftiger Konflikte, war sie doch sichtlich von der Sorge bestimmt, dass nach dem erwarteten Tod Pippinsauch Söhne aus anderen Verbindungen ihre Ansprüche erheben könnten, nämlich vor allem Karl (Martell), der Sohn seiner Nebenfrau Chalpaida, weniger wohl Childebrand, den eine namentlich nicht bekannte Mutter geboren hatte. Den denkbar schwersten Schlag mußte es daher gerade für Plektrud bedeuten, dass ihr aus Neustrien herbeigerufener Sohn Grimoald, in dem wohl jeder seit langem den Nachfolger Pippins sah, im folgenden Monat in Lüttich von einem Heiden, wohl einem Friesen, erschlagen wurde. Um die Konkurrenz der Halbbrüder abzuwehren, griff man auch jetzt nicht auf die Söhne Drogos zurück, sondern faßte den raschen Entschluß, Grimoalds Sohn Theudoald zum neuen Hausmeier zu machen, der in einem Teil der Quellen, jedoch wohl in polemischer Absicht, als minderjährig bezeichnet wird und jedenfalls den Makel hatte, seinerseits nicht ehelichen Ursprungs zu sein. Ob Pippin selber, wie ihm später nachgerühmt wurde, noch die Kraft fand, die Bluttat an seinem Sohn zu rächen, ist zweifelhaft; jedenfalls starb er am 16.12.741, anscheinend in Jupille, ohne einen allseits anerkannten Erben, auf den reibungslos die Vormacht unter den Franken hätte übergehen können, wie sie Pippin in seiner Jugend erkämpft und dann 27 Jahre hindurch behauptet hatte.

670 oo Plektrudis, Tochter des Hugobert und der Irmina
um 650- 725

Literatur:
Bauer Dieter R./Histand Rudolf/Kasten Brigitte/Lorenz Sönke: Mönchtum - Kirche - Herrschaft 750-1000 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1998, Seite 4,11,19 - Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 26,41,45,246 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977, Seite 454,457,461,464,479 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus Mitte des 11. Jahrhunderts. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 261,264,265,266,282-283,304 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band II Seite 38,207/Band III Seite 529 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 56 - Epperlein Siegfried: Karl der Große. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1974, Seite 10 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988, Seite 90,178,202,206 - Geuenich, Dieter: Geschichte der Alemannen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1997, Seite 104-107,159 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987 Seite 13,45,66,72 - Hlawitschka Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag: Minerva-Verlag Thinnes Nolte OHG Saarbrücken 1969, Seite 131,167 - Hlawitschka Eduard: Lotharingien und das Reich an der Schwelle der deutschen Geschichte. Anton Hiersemann Stuttgart 1968, Seite 17 - Hlawitschka, Eduard: Zu den Grundlagen des Aufstiegs der Karolinger. Beschäftigung mit zwei Büchern von Matthias Werner in: Stirps Regia. Forschungen zum Königtum und Führungsschichten im frühen Mittelalter. Verlag Peter Lang Frankfurt am Main - Bern - New York - Paris, Seite 43-105 - Jarnut Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986, Seite 121,124,127 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 33-34 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 258,263,265,269 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 41,44-52,64,327 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 22-38,40-43,47,50.53,70,139 - Schneider Reinhard: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Anton Hiersemann Stuttgart 1972 Seite 140,150,173,176,177,179,215,241 - Werner Matthias: Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1982, Seite 13-327 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 29,70 -


<

Namensliste

>


 Hauptquelle: Genealogie-Mittelalter.de

 

Stand 18.10.2007

© Peter Bohrer, Heppenheim

Home | Intro | Proband

Email : Mail@Genealogie-Bohrer.de