Familien und Verwandte der Vorfahren der Grafen Beilstein / Wolfsölden / Schauenburg

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Namensliste

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Ahn-Nr. 615426.20; 1134082.21; 1135618.21; 1148418.21; 1201154.21; 2268450.22; 2271522.22; 2297122.22; Pers-Nr: 139

Personenblatt


Name:

Pippin I. (der Ältere) von Landen

Sippe:

Pippiniden

Titel:

Fränkischer Hausmeier

Datum

Konf

Hinweis

Ort, PLZ, Staat


Tod

um 0639

Heirat


Itta (Iduberga)

Geburt

0592

Tod

0652

<109>

Heirat

<<44>>

Historie zur Person

Pippin I. (der Ältere) von Landen
+ 639
Sohn des fränkischen Edlen Karlmann

ADB:Pippin der Aeltere
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Pippin_der_Aeltere

Pippin der Aeltere, der Stammvater der Pippiniden und Stifter ihrer Hausmacht. Sein Beiname von Landen ist erst im 13. jahrhundert entstanden. Sowol sein angeblicher Wohnsitz „Landen“, wie seine brabantische Herkunft entbehren geschichtlicher Begründung. Vielmehr ist die eigentliche Wiege seines Geschlechts das Gebiet zwischen Maas, Mosel, Rhein, Roer und Amblève, das Herz Austrasiens. Zum ersten Male tritt er hervor, als er und Arnulf von Metz an der Spitze der austrasischen Großen der Königin Brunhilde gegenüber 613 Chlotar II. auf den Thron erheben und dadurch die Wiedervereinigung des Frankenreichs herbeiführen. Chlotar überließ Austrasiens Verwaltung seinem Sohne Dagobert und gab ihm als Berather Pippin und Arnulf bei, den ersten in der Würde eines Majordomus. Ihre Verwaltung war eine ruhmreiche; unter ihrer Leitung entwickelte sich Dagobert, die letzte große Gestalt aus dem Hause der Merowinger zu einem tüchtigen Regenten; Austrasien gelangte zur Selbständigkeit und auf den Gipfel seiner Macht. Sie ließen die alten Stammrechte aufschreiben, sorgten für Kirchen und Klöster und für die Sicherheit der Grenzen. Nach Chlotars Tode verschafften sie Dagobert den Alleinbesitz des fränkischen Thrones; aber Pippin untergrub damit einen eigenen Einfluß. Den ausschweifenden Sitten des jungen Königs vermochte er nicht mehr zu steuern. Die neustrischen Großen verdrängten ihn und bedrohten sein Leben. Für einige Zeit verschwindet er aus der Geschichte und scheint in einer Art Verbannung die Erziehung Siegberts, eines Sohnes von Dagobert, zu Orleans geleitet zu haben. Doch verblieb in Austrasien der alte Einfluß seinem Hause und seiner Partei; denn zur festeren Verkettung der Familien Arnulfs und Pippins und ihrer Interessen hatte sich Ansgisel oder Adalgisel, der Sohn des ersteren, mit einer Tochter des anderen, angeblich namens Begga, vermählt. Von Dagobert wurde er und Bischof Chunibert von Köln mit der Führung der Regierung Austrasiens für den unmündigen Siegbert betraut (633 oder 634). Noch einmal aber und zwar kurz vor seinem Tode, trat P. wieder als Majordomus ein (638) und führte mit Chunibert zusammen ein wohlwollendes Regiment. Er starb 639, ein Jahr nach Dagoberts Tode, von den [154]Austrasiern tief betrauert; denn die Summe seiner edlen Eigenschaften, besonders seine Treue, Gerechtigkeit und vorsichtige Klugheit machten ihn zum Gegenstand der Verehrung seiner Stammesgenossen. Er hinterließ einen Sohn, Grimoald den Aelteren, der aber in der Weiterentwicklung der Hausmacht zu seinem Verderben nicht die Vorsicht des Vaters bewährte. Eine Tochter, die heilige Gertrud von Nivelles, ebenso wie seine Gattin Itta und die bereits genannte Begga unterliegen geschichtlichem Zweifel.

Vgl. H. E. Bonnell, Die Anfänge des karol. Hauses, S. 99 bis 107. – G. Richter, Annalen des fränk. Reiches im Zeitalter der Merowinger 1873, S. 151 ff. – E. Mühlbacher’s Regesten des Kaiserreichs unter den Karolingern 1880, S. 2 ff. – G. Waitz, Deutsche Verfassungsgesch. II, 699 (2. Aufl.). – L. v. Ranke, Weltgesch. V, 249 ff. (1884).

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 2167
Pippin I. der Ältere, fränkischer Hausmeier
+ 639/40
oo Itta (Iduberga)

Spitzenahn der PIPPINIDEN, verfügte über ausgedehnten Familienbesitz zwischen dem Kohlenwald und der mittleren Maas (östliches Belgien), begegnet erstmals 613 als Repräsentant der austrasischen Großen, als er zusammen mit Arnulf von Metz dem neustrischen König Chlothar II. die Herrschaftsübernahme auch in Austrasien und Burgund ermöglichte. 623 erhob Chlothar II. seinen Sohn Dagobert I. zum Unterkönig in einem Teil Austrasiens und bestimmte Arnulf und Pippin zu dessen engsten Beratern; spätestens seit 624/25 fungierte Pippin der Ältere im Amt des Hausmeiers. Als Arnulfwohl 629 sich aus der Politik zurückzog, wurde Bischof Kunibert von Köln sein Nachfolger. Der Tod Chlothars II. Ende 629 beendete die Eigenständigkeit Austrasiens. Pippins Einfluß schwand; als Dagobert 633/34 das austrasische Unterkönigtum für seinen minderjährigen Sohn Sigibert III. erneuerte, gab er ihm neben Kunibert nicht Pippin, sondern den Dux Adalgisel als faktischen Regenten zur Seite. Nach einer neuen Übersetzung der besonders dunklen Fredegarstelle IV, 61 scheint Pippin der Ältere zwischen 631 und 633/34 politisch entmachtet worden zu sein und sein Hausmeieramt an Adalgisel verloren zu haben; Fredegar wollte wohl "in seiner Parteinahme für Pippin den Amtsverlust kaschieren" (Wunder, 50). Erst nach Dagoberts Tod 638/39 erlangte Pippin erneut die austrasische Hausmeierwürde, starb aber wenig später. Der moderne Beiname 'von Landen' (ar. Leuven) geht auf brabantische Quellen des 13. Jh. zurück.

Literatur:
H. Bonnell, Die Anfänge des karol. Hauses, 1866 - E. Hlawitschka, Zur landschaftl. Herkunft der Karolinger, RhVjbll 27, 1962, 1-17 - Ders., Die Vorfahren Karls d. Gr. (Karl d.Gr., I, 1965), 51-58 - M. Werner, Der Lütticher Raum in frühkarol. Zeit, 1980, 342-354 - H. Wunder, Zur Entmachtung des austrasischen Hausmeiers P. (Fschr. H. Zimmermann, 1991), 39-54 - R. Schieffer, Die Karolinger, 1992, 12-19 -

Hlawitschka Eduard: Seite 73, "Die Vorfahren Karls des Großen"
2. Pippin der Ältere, Hausmeier in Auster
+ 640
Quellen bei BM² 2i-2q.

Pippin, Repräsentant der austrasischen Adelsopposition, und Bischof Arnulf von Metz hatten 613 maßgeblichen Anteil am Sturz Brunhildes. 623 zum Hausmeier von Austrasien ernannt, leitete er die Politik Dagoberts I., der weitestgehend von ihnen abhängig war.
Pippin war der Ahnherr der PIPPINIDEN.

Schieffer Rudolf:, "Die Karolinger"

Auch der Hausmeier Pippin vermochte seinen bestimmenden Einfluß nicht auf Dauer zu behaupten. Nachdem ihm zunächst an Arnulfs Statt der Bischof Kunibert von Köln als geistlicher Ratgeber König Dagoberts zur Seite getreten war, entfiel 629 durch den Tod Chlothars II. überhaupt das austrischen Sonderkönigtum, auf das sich Pippin gestützt hatte. Dagobert I., der das Erbe des Vaters im Gesamtreich antrat und nach Neustrien ging, ließ den Hausmeier ebenfalls dorthin kommen und wies ihm zeitweise einen Aufenthalt in Orleans an; es ist bezeugt, dass dabei wachsende "Eifersucht der Austrier", also wohl anti-pippinidischer Kreise unter den Großen, mit im Spiel war, doch bleibt ungewiß, inwieweit der König selbst die Entfernung Pippinsaus der Heimat als "politische Kaltstellung" (M. Werner) betrieben hat. Immerhin ist augenscheinlich, dass in den 630-er Jahren die großen Entscheidungen ohne Pippins Beteiligung fielen, als es darum ging, vornehmlich mit Blick auf militärische Gefahren rechts des Rheins die austrische Unterherrschaft zu erneuern, diesmal für Dagoberts minderjährigen Sohn Sigibert (III.), und als faktischen Regenten neben Bischof Kunibert den Herzog (dux) Adalgisel aus einer weiteren, gewiß vornehmen Familie Austriens zu bestellen, schließlich, nach der Geburt eines zweiten Königssohnes namens Chlodwig (II.), auch über Dagoberts Tod hinaus ein Nebeneinander von austrischer und neustrischer Monarchie ins Auge zu fassen.
Allerdings fällt auf, dass während all dieser Jahre kein neuer Hausmeier für Austrien in den Quellen auftaucht, alsoPippins Anspruch auf eine führende politische Rolle zumindest theoretisch gewahrt blieb. Auch die Verheiratung seiner Tochter Begga mit Arnulfs Sohn Ansegisel, die in jene Zeit fallen muß und die beiden Familien der ARNULFINGER und der PIPPINIDEN dauerhaft miteinander verband, spricht gegen die Vorstellung, der Hausmeier könnte den Kampf um die Macht bereits verloren gegeben haben. Seine Stunde schlug erneut, als König Dagobert Anfang 638 oder 639 mit rund 30 Jahren starb, lange bevor seine beiden Söhne zu regierungsfähigem Alter herangewachsen waren. Anschaulich wird in der Fredegar-Chronik geschildert, wie Pippin sogleich den Umschwung zu seinen Gunsten in Auster herbeiführte: "... mit Kunibert beschloß er, wie es einst gewesen, so für immer das Band der gegenseitigen Freundschaft fest zu bewahren und dazu die Freundschaft aller gemeinsamen Anhänger unter den Austriern auf ewig an sich zu binden, indem er ihnen klug und freundschaftlich entgegentrat und sie milde regierte. Durch Gesandte wurde der gebührende Anteil Sigiberts an den Schätzen des Dagobert von der Königin Nanthild und dem König Chlodwig (von Neuster) abverlangt und zur Übergabe ein Gerichtstag anberaumt". Man sieht, dass Pippins politisches Gewicht wesentlich von der Unterstützung durch eine Vielzahl maßgeblicher Standesgenossen in Auster getragen war und nun eingesetzt wurde, um im Namen des etwa 10-jährigen Königs Sigibert die Belange der Austrier gegenüber dem neustrischen Hof seines vielleicht 5-jährigen Bruders Chlodwig zu reklamieren. Die Könige kamen dabei gar nicht selbst zu Wort, sie erschienen eher in der Rolle eines Aushängeschilds oder Faustpfands, dessen sich die rivalisierenden Großen im Machtkampf bedienten, und dies sollte fortan auch so bleiben, denn nach Dagoberts I. Tod ist kein MEROWINGER mehr auf längere Frist zu eigenständiger Regierung gelangt.
Der Hausmeier Pippin der Ältere hat freilich die Früchte der so angebahnten Entwicklung nicht mehr ernten können, denn er starb bald nach seinem letzten Triumph, wohl im Jahre 639 und angeblich von allen Austriern betrauert "wegen seiner Liebe zur Gerechtigkeit und Güte".

Literatur:
Borgolte Michael: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit. Vorträge und Forschungen Sonderband 31 Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 22 - Dahn Felix: Die Franken. Emil Vollmer Verlag 1899 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977, Seite 428,438,441,444,447,451,479 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den Anfängen bis zur Ausbildung des Feudalismus Mitte des 11. Jahrhunderts. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1982, Seite 260,261,263,264 - Ennen, Edith: Frauen im Mittelalter. Verlag C.H. Beck München 1994, Seite 76 - Ewig Eugen: Die Merowinger und das Frankenreich. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1988, Seite 117,120,128,131,143, 163,181-183 - Herm, Gerhard: Karl der Große. ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, Wien, New York 1987, Seite 33,42,66 - Jarnut Jörg: Agilolfingerstudien. Anton Hiersemann Stuttgart 1986, Seite 68,74,78, 81,89,109,124,127 - Kalckhoff Andreas: Karl der Große. Profile eines Herrschers. R. Piper GmbH & Co. KG, München 1987, Seite 33-34 - Mühlbacher Engelbert: Deutsche Geschichte unter den Karolingern. Phaidon Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion - Nack Emil: Germanien. Ländern und Völker der Germanen. Gondrom Verlag GmbH & Co. KG, Bindlach 1977, Seite 214,249,251,253,258,269 - Riche Pierre: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München 1991, Seite 30-35 - Schieffer Rudolf: Die Karolinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 1992, Seite 12,14-20,22,26,29 - Werner Matthias: Adelsfamilien im Umkreis der frühen Karolinger. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1982, Seite 74,122,165,272,317 - Wies Ernst W.: Karl der Große. Kaiser und Heiliger. Bechtle Verlag Esslingen 1986, Seite 28 -


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 Hauptquelle: Genealogie-Mittelalter.de

 

Stand 18.10.2007

© Peter Bohrer, Heppenheim

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