Vorfahren der Herren von Neideck und der Grafen Beilstein / Wolfsölden / Schauenburg

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Die Herren von Neideck nannten sich nach der wohl zu Anfang des 13. Jahrhunderts erbauten Burg Neideck, (heute Neudeck bei Langenbeutingen). Der erste Namensträger war der Ritter Engelhard I von Neideck (genannt 1215 bis 1234)
Das Geschlecht blühte noch bis ins 16. Jahrhundert. Bürgerliche Nachkommen (16., 17. Jahrhundert) dieser Familie finden sich z.B. im Heilbronner Patriziat (Erer) oder in Schwäbisch Hall (Bechstein, Sanwald) 4).

 

Neydeckh bei Beyting in einem Ausschnitt aus dem Blaeu Atlas Wirtenberg ( Mitte 17.Jhdt.)

 

Prof. Walther Ludwig aus Hamburg hat in seiner Arbeit "Das Geschlecht der Herren von Neideck bis um 1500"  3)  die Abstammung der Herren von Neideck von einem Grafen Berthold von Beilstein und dessen Ehefrau Adelheid von Bonfeld ( ∞ vor 1200) nachgewiesen.
Er kommt hierbei zu denselben Ergebnissen wie Gerhard Fritz in seinem Buch "Kloster Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter" 2)

Die Grafen von Beilstein stammen über Berthold I., Graf v. Schauenburg 1165-1192 ( = Graf v. Wolfsölden 1182-1193) von den Hessonen ab.

 

Für die Forschungen von W. Ludwig und G. Fritz relevant war eine italienische Quelle, die auf Prof. Decker-Hauff  1) zurückgeht :
Um 1220 soll in Italien die Geliebte des Stauferkaisers Friedrich II. genannt worden sein. Sie soll eine Wolfsöldenerin mit Namen Ruthina/Ruchina = Regenweib/Regenwip und eine Tochter des Grafen Berthold von Beilstein. gewesen sein.
Um 1230 heiratete sie den Grafen Gottfried II von Löwenstein und brachte ihm Wolfsölden ein.
Nach W. Ludwig 3) war sie die Schwester der Ehefrau des Ritters Engelhard I von Neideck (+ nach 1234), der der Stammvater der v. Neideck wurde. Decker-Hauffs Quelle konnte bisher allerdings nicht gefunden werden.

Herr Christian Burkhart, Historiker aus Dossenheim , der sich mit Genealogie der Herren von Schauenburg beschäftigt
(siehe hier:
Schauenburg-Genealogie ), traf 1991 den damals schon erkrankten und 1992 verstorbenen Prof. Dr. Decker-Hauff und fragte ihn nach seiner in "die Zeit der Staufer" 1) nicht genannten Quelle. Er bekam nur zur Antwort, dass er sich leider nicht mehr erinnern könne, die Zusammenhänge aber stimmten.
Herr Burkhart machte mich auf folgende Quelle aufmerksam :

Laut Christian Sperle, 5) , ist bei  Rocco Pirro, Chronologia, S. 48, von einer gewissen "Rutina von Wolfferholzen" die Rede.
Bei Decker-Hauff ist sie eine "vornehme Schwäbin" und heißt "Ruthina/Ruchina de VVolvessolsen" 1).
Decker-Hauff könnte1977 also diese Quelle benutzt haben :
Rocco Pirro, Chronologia regnum Siciliae, hg. von Johann Georg Graeve (Thesaurus antiquitatum et historiarum Siciliae, Leyden 1723.

Zwei weitere Erwähnungen der Ruthina finden sich bei Friedrich von Raumer 6) .

Er nennt diese beiden Quellen :

Opuscoli di autori Siciliani, Catania 1758, IV, S.206  und
Agostino Inveges,  Annali della felice Citta di Palermo 1649-1651 3 Vol. fol. S. 636

Dort wird Friedrich von Antiochien  "Sohn einer Ruthina Gräfinn von Wolfferslozen" genannt. 7)

 

"Wolfferholzen", "Wolfferslozen" bzw. "VVolvessolsen" sind offensichtlich Verschreibungen für "Wolfsölden"
[Wolfsölden heißt z.B. in in einer Urkunde von 1281 "Wolvesselden"]
 

Als Ergänzung zur Arbeit von Prof. Ludwig, wurde nun versucht, die Vorfahren der Grafen von Beilstein zu ermitteln.

 

Das Ergebnis der Nachforschungen ist auf diesen Seiten zu finden.

 

Die Ahnen dieser Familie lassen sich noch über 20 Generationen bis zu den Karolingern zurückverfolgen. Soweit möglich wurden die Familien und Verwandten der Vorfahren hierbei ebenfalls berücksichtigt. Bei widersprüchlichen Angaben zu den Eltern wurden die Ahnen nicht weiterverfolgt.

Diese Zusammenstellung erfolgte zu einem großen Teil mit Hilfe der umfangreichen Materialsammlung von Herrn Karl-Heinz Schreiber auf   http://www.genealogie-mittelalter.de/ .

Dort werden  Personen und Familien aus dem mittelalterlichen Hochadel jeweils mit Zitaten aus den bekannten einschlägigen Quellen dargestellt. Wer sich für mittelalterliche Genealogie interessiert, sollte auf den Seiten von Herrn Schreiber unbedingt vorbeischauen.

 

Zum Namensindex

Literatur:

  1. Decker-Hauff, Hansmartin, Die Zeit der Staufer: Band III, 1977, Seite 358

  2. Fritz,Gerhard, Kloster Murrhardt im Früh- und Hochmittelalter, Forschungen aus Württembergisch. Franken 18 , 1982

  3. Ludwig, Walther, Das Geschlecht der Herren von Neideck bis um 1500  in Württembergisch Franken Bd. 68 1984, S.63-95

  4. Ludwig, Walther, Vorfahren von Paul Ludwig, Deutsches Familienarchiv Bd. 116, 1994

  5. Sperle,Christian, König Enzo von Sardinien und Friedrich von Antiochia: Zwei illegitime Söhne Kaiser Friedrichs II. und ihre Rolle in der Verwaltung des Regnum Italiae, Verlag: Lang, Peter Frankfurt (Dezember 2000)

  6. Friedrich von Raumer, Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeit  Bd. 6, 1824, S.640

Anmerkung:

    7.  Friedrich von Antiochien * um 1222, unehelicher Sohn Friedrichs II. Spätere Arbeiten nennen eine andere Mutter.

 

 

 
Stand 15.12.2007

© Peter Bohrer, Heppenheim

                            

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